Das Restaurant „Sauvage“ in Berlin Neukölln

Gestern waren wir im „Sauvage“ in Berlin Neukölln – ein Restaurant, das ich schon lange einmal ausprobieren wollte. Früher, als ich noch in Berlin lebte, bin ich öfter mal daran vorbeigelaufen, ahnungslos, dass ich mich selbst jemals so ernähren würde. Als Vegetarierin kam es für mich nicht in Frage, im „Sauvage“ zu essen.

Was viele nicht wissen: Hier kocht und kreiert Svenja Trierscheid von Paleo Foodporn, bekannt auch durch ihre beiden deutschsprachigen Paleo-Kochbücher. Die Inhaber Rodrigo und Boris Leite-Poço sind ebenfalls ausgewiesene Paleo-Spezialisten.

Das gedimmte Licht in den warm eingerichteten Räumlichkeiten des „Sauvage“ bietet dem vom Berliner Schmuddelwetter geplagten Besucher eine äußerst einladende Atmosphäre, in der man sich sofort wohlfühlt: Zu dritt nahmen wir Platz an einem etwas kleineren Holztisch mit Blumengesteck und Kerzen.

Als ich begann, die in archaisch duftendem Leder gebundene, handgeschriebene Speisekarte zu lesen, ging mir sofort das Herz auf: Wildbrühe, Kokosfrischkäse, Süßkartoffelgnocchi, pürierter Blumenkohl… Wow! Endlich kochte mal jemand für mich, der Bescheid zu wissen schien und für den diese Gerichte keine Kompromisse bedeuteten.

Wir bestellten den Salat mit roter Beete, Äpfeln, Kräuterkokoskäse, Oliven, Walnüssen und Honig-Balsamico-Dressing sowie eine Wildkraftbrühe als Vorspeisen. Die Brühe war sehr lecker, wobei die Portion ziemlich klein war und als Einlage lediglich einige Frühlingszwiebelringe bot. Der Salat dagegen war auf einem großen Teller angerichtet und reich bestückt. Dazu serviert wurden verschiedene Sorten von Paleobrot (auf Samen- und Nussbasis, sowie ein Keimlingsbrot). Ich probierte (zum ersten Mal überhaupt, was Paleobrot angeht) von einer hellen Kräutervariante (ohne Nüsse), die geschmacklich sehr ansprechend war, der Konsistenz von frischem oder geröstetem Brot aber nur bedingt nahekam. Ich kenne einige Rezepte für Paleobrot und kann es nun kaum erwarten, sie in meiner Wiedereinführungsphase auszuprobieren und zu vergleichen.

Salbeignocchi mit Kokosfrischkäsefüllung und Estragon-Aioli, dazu Blumenkohlpüree mit Knoblauch und Zwiebelringen und Apfel-Rotkohl

Als Hauptgänge aßen wir Süßkartoffel-Salbeignocchi mit Kokosfrischkäsefüllung und Estragon-Aioli, dazu Blumenkohlpüree mit Knoblauch und Zwiebelringen und Apfel-Rotkohl, sowie Wachtel gefüllt mit Trockenfrüchten, Speck und Nüssen auf Saisongemüse, dazu violette und gelbe Möhren mit Curry und Bacon. Sowohl die Hauptgerichte als auch die Beilagen schmeckten ganz fantastisch: die Wachtel war knusprig gebacken, die Kombination aus bunten, bissfesten Möhren, gelbem Curry und knusprigem Bacon war eine wahre Offenbarung, die ich gleich nächste Woche nachkochen werde. Auch der Kokosfrischkäse hat es mir angetan, da er tatsächlich das Gefühl von geschmolzenem Käse auf der Zunge zurückließ. Mal sehen, ob ich hierfür ein Rezept finde… Die Aioli-Sauce schien mir ein Mix aus Olivenöl, (wenig) gepresstem Knoblauch und Estragon zu sein. Sie war angenehm mild und bewies, dass man es mit Knoblauch nicht immer übertreiben muss.

Am Dessert kam ich diesmal ausnahmsweise nicht vorbei, auch wenn ich momentan wegen meines Candidaverdachts eigentlich nichts Süßes zu mir nehme. Zum Ausgleich liebäugle und sammle ich die besten Rezepte, die mir so unterkommen, für die Zeit danach. Da ich nicht mehr so oft in Berlin bin, musste ich also unbedingt die mexikanische Schokoladencreme mit Chili, Kokossahne, Erdmandelcrumble und Ingwerkeks probieren. Die Konsistenz der Creme – fester als Pudding, aber dennoch zart und schokoladig – war ein Gedicht, weshalb ich mich umgehend nach der „Basissubstanz“ erkundigte. Nach Auskunft von Anne, der wirklich sehr engagierten und zuvorkommenden Restaurantleiterin, handelte es sich um Kokosfett. Da die Creme ziemlich fest war, glaube ich, dass noch Gelatine oder ein anderes Bindemittel enthalten war. In jedem Fall freue ich auf meine baldigen Dessertexperimente!

Zu dritt – für zwei Vorspeisen, drei Hauptgerichte, zwei Desserts, einen halben Liter Rotwein, eine Flasche Wasser und einen Haselnussschnaps – zahlten wir um die 80 Euro. Die Portionen waren anständig und sättigend. Wir wurden fürstlich bedient und verbrachten einen überaus angenehmen und gemütlichen Abend. Nicht alle Gerichte enthalten Fleisch, so dass auch Vegetarier und Veganer in der sehr übersichtlichen und regelmäßig wechselnden Karte des „Sauvage“ fündig werden. Sogar Autoimmun-Paleo-Anhänger können hier Vieles bestellen, oder zumindest sind die Kompromisse für uns nicht allzu groß, wenn wir doch mal „sündigen“ wollen.

Chapeau und Dank an die Macher!



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Sauvage
, Pflügerstrasse 25, Berlin-Neulölln. Es empfiehlt sich, zu reservieren: 030-53167547. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 18:00 bis 23:00. Hier werden auch Paleo-Kochkurse angeboten.

Eine weitere, noch edlere Filiale befindet sich im Prenzlberg in der Winsstrasse 30, Tel.: 030-38100025. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 18:00 bis 24:00, Sonntagsbrunch von 12:00 bis 15:30.

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