Archiv der Kategorie: Hashimoto

Bestandsaufnahme nach einem Jahr AIP (inklusive Provokationsphase)

Vor mehr als einem Jahr, am 1. Oktober 2013, startete ich meinen Selbstversuch auf diesen Pfaden. Was lässt sich im Rückblick berichten, wie weit bin ich gekommen und was bleibt noch zu wünschen?

Vielleicht sollte ich von hinten anfangen. Vor vier Wochen bekam ich meine letzten Schilddrüsenwerte zurück. Zum ersten Mal seit Jahren sind sie – man halte sich fest – alle im Normbereich. Mein Hausarzt, den ich für einen guten, aber Neuem wenig aufgeschlossenen Schulmediziner halte, hat mich hormontechnisch offenbar ganz gut eingestellt. Dass die Ernährungsumstellung mitgeholfen haben soll, wie ich mehrmals in den Raum warf, bestreitet er jedoch nach wie vor rigoros. Es interessiert ihn im Übrigen auch nicht, wie diese Ernährungsumstellung eigentlich aussieht…

AIP-Abendessen in einer kleinen Stadt im Osten Indiens

AIP-Abendessen in einer kleinen Stadt im Osten Indiens

Nach meiner vierwöchigen Indienreise im August gab es zugegebenermaßen einen kleinen Einknick, was meine Gesundheit anging. Nachdem ich mich in Indien einigermaßen Paleo durchgebissen hatte – mithilfe meiner Freunde dort, die meiner Ernährungsweise sehr offen gegenüberstanden, und dennoch mit der ein oder anderen Ausnahme, z.B. Reis –, ging es mir erst mal nicht so gut, als ich wieder zurück war. Ich bekam wieder viele Pickel im Gesicht, meine Periode blieb aus (was sehr ungewöhnlich ist), ich hatte eine Zeitlang regelmäßig Sodbrennen, bekam eine Blasenentzündung und schnitt zu allem Übel auch bei meiner HPV-Untersuchung eher schlecht ab. Meine Müdigkeit war unerträglich. Zunächst ignorierte ich meinen Zustand und wollte endlich wieder mehr essen, neue Paleo-Backwaren und -Desserts ausprobieren, und dies bitteschön alles bei gleichbleibender Gesundheit. Aber meinem Körper ging das offenbar zu schnell.

Neu-Delhi

Mittlerweile glaube ich, dass der Ausnahmemonat Indien zwar Auswirkungen auf meinen Körper hatte (so machte meinem Immunsystem auch eine beide Beine und Unterarme übersäende Bettwanzenattacke während meines Aufenthalts ungemein zu schaffen). Aber auch mehrere gehörige Stressfaktoren privat und zurück in der Arbeit haben ohne Zweifel dazu beigetragen, dass es erst einmal bergab ging, als der Urlaub vorbei war. Und so schraubte ich alles wieder zurück auf Basisernährung (Eliminationsphase), und so langsam fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut. Hat immerhin zwei Monate gedauert, und ich werde nie genau wissen, woran es tatsächlich lag…

All dies passierte wie gesagt in den letzten 8 Wochen. Wie aber sieht die Beurteilung meines gesamten AIP-Jahres aus? Mein Körper hat sich in vielerlei Hinsicht sehr verändert. Er reagiert viel deutlicher und hartnäckiger als früher – klar, ich achte natürlich auch ganz anders auf Zeichen jeglicher Art.

Verbesserungen:

  • Hashimotosymptome: nach einem Jahr sind die Antikörperwerte im Normbereich. Sie gingen stetig nach unten, es gab keine Schwankungen nach oben.
  • Blähungen und alles, was dazu gehört: fast verschwunden, vor AIP ein permanentes, nicht in den Griff zu bekommendes und sehr unangenehmes Problem.
  • Die anfänglichen ernsthaften (!) Verstopfungsprobleme haben sich in Luft aufgelöst. Besonders die Einführung von stärkehaltigen, unbedenklichen Gemüsesorten (Kochbanane und Taro), das Herumexperimentieren mit resistenter Stärke sowie der Verzehr von selbstgemachten, fermentierten Nahrungsmitteln (Kombucha, wilde Fermente) haben hier wohl einen nicht unmaßgeblichen Teil beigetragen.
  • Zähne: Meine übersensiblen Zähne sind schmerzunempfindlicher geworden. Vor AIP konnte ich keinen Luftzug oder kaltes Wasser aushalten. Geholfen haben hier meines Erachtens der regelmäßige Verzehr von Leber, Eigelb und pulverisierten Eierschalen sowie der Verzicht auf herkömmliche Zahncreme. Inspiriert hat mich v.a. dieser Artikel.
  • Körperliche Anstrengung: Beim Sport bin ich leistungsfähiger und falle danach nicht gleich ins Bett vor Erschöpfung. Ich trainiere einmal die Woche in einem Selbstverteidigungskurs, gehe joggen, wenn ich mich besonders energiegeladen fühle (hey, das kommt tatsächlich wieder vor!), mache morgens ein 7-Minuten-Training zum Aufwachen und gehe während der Mittagspause fast täglich eine Stunde spazieren. Auch Letzteres war vor AIP eher anstrengend für mich, und manchmal habe ich auch heute zwischendurch Tage, an denen mir alle körperliche Anstrengung schwerer fällt.
  • Erkältungen: treten sehr viel seltener auf und halten nicht allzu lange an, die Anfälligkeit bleibt aber bestehen. V.a. Klimaanlage und Durchzug knocken mich nach wie vor mit ziemlicher Sicherheit aus. Auf Trab halte ich mich im Falle des Falles mit Angocin, das erste Erkältungsmittel, das bei mir wirklich hilft. Meiner Heilpraktikerin sei Dank!

Was sich nur wenig bis nicht wirklich verbessert hat:

  • Trotz Magnesiumsupplementierung habe ich regelmäßig nächtliche Wadenkrämpfe.
  • Pickel: Auch wenn sich mein Hautbild sehr beruhigt hat, bleibt mein Pickelproblem und meine unreine Gesichtshaut bestehen. Das Kuriose ist: Die Pickel sind nicht mehr das, was sie mal waren… sie treten an den unmöglichsten Stellen auf (z.B. hinter dem Ohr), sind hart statt eitrig und entzünden sich gerne.
  • Trockene oder entzündete Gesichtshaut: habe ich immer mal wieder, z.B. beim Verzehr von Nüssen. Es entstehen rauhe Stellen, eine rote Oberlippe oder andere Entzündungsstellen im Gesicht, wenn ich das Falsche esse. Ich versuche dann, mit Ölmasken und seifenfrei der Lage Herr zu werden. Die Wurzel des Übels befindet sich allerdings stets ganz eindeutig im Körper.
  • Obwohl sich meine lähmende Müdigkeit schon sehr gelegt hat, habe ich regelmäßig mit ihr zu kämpfen. Ich hatte über lange Strecken hinweg krasse Schlafprobleme, in denen ich nicht einschlafen konnte, nicht durchgeschlafen habe oder morgens nicht rauskam. Mehr Schlaf (will heißen: früher ins Bett!) hilft eindeutig und sollte (auch von mir) nicht unterschätzt werden.
  • HPV bleibt bisher bestehen.

Ich will nicht verschweigen, dass ich bisher nur äußerst wenige Nahrungsmittel wieder erfolgreich eingeführt habe, z.B. Eigelb, bestimmte Gewürze, Ghee, sowie die meisten FODMAPS (die ich aber sicherheitshalber auf einem Minimum halte). Die Quantität spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Ich bin nach ein paar schlechten Erfahrungen jedoch eher vorsichtig geworden.

Zudem nehme ich so ziemlich die gesamte Palette an Nahrungsmittelergänzungen ein:

  • Vitamine: A, B-Komplex, C, D, E, K2
  • Magnesium
  • Zink
  • Selen
  • Folsäure
  • Biotin
  • Kupfer
  • Omega 3
  • zwei hochwertige Allround-Nahrungsergänzungsmittel auf Empfehlung meiner Heilpraktikerin, im Rahmen der Zellsymbiosetherapie
  • ein immunstärkendes Präparat im Rahmen der Mikroimmuntherapie, ebenfalls auf Empfehlung meiner Heilpraktikerin

Meine Hauptbaustelle ist nun die HPV-Infektion. Viele in der Paleo-Community schwören auf AIP auch bei HPV. Ganzheitlich arbeitende Ärzte und Heilpraktiker empfehlen die Mikroimmuntherapie. Zumindest hörte die Entzündung nach der Ernährungsumstellung auf zu bluten und der Befund verbesserte sich für etwas mehr als 6 Monate deutlich. Ich arbeite permanent daran und versuche mein Bestes – therapeutisch, ernährungstechnisch und auch psychisch, denn es ist kein gutes Gefühl, einen Virus in sich zu tragen, den man gar nicht merkt. Die Schilddrüse hat bei einem Schub jedenfalls immer aufgeregt geflattert, so dass ich wusste, wann wieder etwas im Busch war. Zumindest das ist mittlerweile eindeutig unter Kontrolle!

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Nachtrag zu meinem Arztbesuch

Mein Hausarzt hatte mir bei der Besprechung meiner letzten Blutwerte zugesagt, meine Liste mit weiteren Untersuchungen gerne mit mir durchzugehen, und zwar zu einem gesonderten Termin. Der war gestern. Wacker und hoffnungsvoll baute ich mich mit meinen sorgfältig vorbereiteten Notizzetteln und Übersichten vor ihm auf, legte aber eher vorsichtig los, um den armen Mann nicht völlig zu überwältigen.

Mir wurde schnell klar, dass mir kein Verbündeter gegenübersaß. Als ich ihm Dr. Kharrazians Buch zeigte, wiegte er lediglich den Kopf hin und her und schaute leicht skeptisch drein (wobei ich nicht glaube, dass er das Buch wirklich kannte). Ich legte ihm meine Liste vor und er erwiderte ausweichend, dass er sich das „wohl kaum alles durchlesen werde“. Eine Kontrolle der Nebennieren sei sicher nicht Teil des Hashimoto-Spektrums, geschweige denn eine Messung des Blutzuckerspiegels. Beide Tests hatte ich angekreuzt, da ich sie für besonders wichtig erachte bzw. weil ich meine, entsprechende Symptome an mir festzustellen. Nur deshalb ging er wohl überhaupt darauf ein.

Auf diese etwa einminütige Klärung meiner Bedürfnisse angelte sich der Arzt meinen Impfpass – den ich wegen meiner Indienreise im Sommer dabei hatte – und bald waren wir (durchaus berechtigt) bei meiner potentiellen Allergie gegen Impfstoffe auf Hühnereiweißbasis angelangt. Die mögliche Lebensgefahr bei der erneuten Verabreichung des Impfstoffs (gegen Hepatitis A+B sowie gegen Tollwut) aufgrund einer schon einmal aufgetretenen starken allergischen Reaktion waren meinem Arzt ein Großteil unserer gemeinsamen Zeit wert. Fazit: Die Allergie müssen wir nun zunächst ausschließen, um entscheiden zu können, ob ich geimpft werden kann oder nicht. Ok.

Trotzdem hatte ich noch ein paar Fragen bezüglich meiner Hashimoto Thyreoiditis. Noch einmal setzte ich also an. Meine TPO-Antikörper hatten sich innerhalb von 8 Monaten halbiert (von 92 auf 57), das fand ich als Laie wirklich sensationell. Doch die Antikörperwerte seien sowieso schon niedrig, erklärte mir mein Arzt, weshalb dies kaum ins Gewicht falle. Die TSH-Werte dagegen seien so niedrig, da meine Hormondosis zu hoch sei (sie wurde aufgrund dieser Werte gesenkt und wird in 3 Monaten wieder kontrolliert). Und überhaupt haben wir es in meinem Fall mit einer sog. inaktiven Hashimoto Thyreoiditis zu tun. Da horchte ich in der Tat auf. Und diese Info bekomme ich erst jetzt? Und was heißt inaktiv? Dass die Zerstörung der Schilddrüse momentan ausgesetzt ist. Glaube ich. Jedenfalls ist das nicht gleichbedeutend mit Heilung, die bei Autoimmunkrankheiten nie eintreten wird. (Eine weitere Recherche zu „inaktive Hashimoto Thyreoiditis“ ergibt keine vernünftigen Ergebnisse.) Schon im Aufstehen begriffen, antwortete mir der Arzt noch auf meine letzte Frage, ob er Morbus Basedow bei mir ausschließen könne: „Zwei völlig verschiedene Paar Schuhe!“ Ich sei in jedem Fall eindeutig „hyper“ seit der Medikamentenumstellung, beteuerte ich. Ende April darf ich wiederkommen, zur erneuten Blutabnahme.

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Ich war doch sehr enttäuscht. Klar bin ich Laie. Klar verstehe ich nichts von Medizin. Aber wieso dann weiterhin all die Symptome? Bilde ich sie mir nur ein? Warum geht es mir mit AIP deutlich besser? Und warum zählt das alles nicht? Ich fühlte mich abgefertigt statt beraten.

„Inaktive“ Hashimoto… in Verbindung mit den deutlich niedrigeren Antikörperwerten geht es mir damit sicherlich besser als den meisten Anderen, deren Werte in den Tausender-Bereichen liegen. Doch wieviel kann der Arzt wirklich an einem Bluttest ablesen? Wenn nicht mein Arzt, wer unterstützt mich weiter bei der „Grundlagen- und Ursachenforschung“? Ich habe einfach noch zu viele Fragen…

Einen Poker habe ich ja noch: Ich bin bereits in Kontakt mit einer Heilpraktikerin. Allerdings hatte ich gehofft, zumindest einen Teil der Untersuchungen durch die Schulmedizin – d.h. durch meine gesetzliche Krankenkasse – abzudecken. Fehlanzeige! Auf ein Neues!

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Links zum Thema:
Fünf Dinge, die Schilddrüsenpatienten dem Arzt gegenüber lieber nicht erwähnen sollten“ auf About.com

Mein erster Arztbesuch seit der Umstellung

Ich war also bei meinem ganz normalen Hausarzt, da ich neue Schilddrüsentabletten brauchte. Es ging mir an dem Morgen nicht besonders gut, wegen meines Rückschlages vom Samstag (Schokoladenverzehr) befand ich mich in einer äußerst unangenehmen Hyperphase. Ich versuchte, es positiv zu sehen, und sagte mir, dass sich das sicher im Blutbild widerspiegeln und mir bei meiner eigenen Deutung behilflich sein würde.

Zunächst war ich von meinem Arztbesuch ziemlich enttäuscht, da zwischen Blutabnahme und Ultraschall am frühen Morgen kaum Zeit für ein Gespräch über meine neuen Erfahrungen blieb. Mein Arzt gab mir schon einmal vorab ein Rezept über die gewohnte Menge an L-Thyroxin, in der Annahme, dass alles beim Alten bliebe.

Am nächsten Morgen rief ich an, um meine Laborwerte zu erfahren. Mein Arzt sagte, dass meine Dosis z.Zt. anscheinend zu hoch sei und er mir lieber weniger aufschreiben würde. Statt bisher 150 wollte er es mit 125 probieren, bei baldiger Kontrolle. Ich erzählte ihm, dass ich einiges verändert hatte in meiner Lebensweise und ich mich gerne bestimmten Untersuchungen unterziehen würde. Er meinte daraufhin, dass wir das gerne einmal durchsprechen könnten. Am 20.2. ist mein Besprechungstermin. Genug Zeit, um sich noch ein wenig zu informieren und vorzubereiten…

Was waren also die Ergebnisse? Entsprechend meiner Verfassung war ich eindeutig hyper, bei einem TSHB von nur 0,02 (mehr als 10x niedriger als normal). Er ist seit Mitte Mai letzten Jahres um 3,8 mU/l gesunken, was für mich ziemlich dramatisch aussieht. Genau deuten kann ich das nicht. Entsprechend erhöht war fT4 (1,9 ng/dl), bei normalem fT3-Wert. Erstaunlich gesunken sind hingegen die TPO-Antikörper, von 92 auf 57! Laut Labortest liegen sie sogar im Normbereich. Im Internet fand ich aber heraus, dass sie unter 35 liegen sollten. Es sieht so aus, als wäre ich davon gar nicht mehr so weit entfernt!

Selbstverständlich habe ich noch Anfängerprobleme bei der Deutung. Ich musste zuerst einmal alle Abkürzungen im Labortest googeln, um herauszufinden, dass sich hinter „MAK“ die TPO-Antikörper verstecken (mein Arzt lässt also immerhin die Antikörper messen, da kann ich mich also schon mal nicht beschweren…). Ich weiß auch, dass ich mit meiner obigen Interpretation vielleicht völlig falsch liege. Dennoch finde ich, dass man bei der Selbstauswertung so Einiges lernt, nämlich sein eigenes Verständnis zu testen und Fragen für sich zu formulieren. Das Blatt werde ich bei nächsten Mal auf jeden Fall dabeihaben, um mir von meinem Arzt die Auflösung zu holen!

T3, T4, Reverse-T3, TSH, TPO… Individuelle Schilddrüsenmarker

So viele T’s! Sicher (und hoffentlich!) haben Sie sie alle schon einmal unter Ihren Blutwerten gesehen und waren froh, wenn sie im Normalbereich lagen… Es handelt sich um die sog. „Schilddrüsenmarker“, anhand derer Sie Ihr Schilddrüsenmuster bestimmen können. Den Zusammenhang zwischen all diesen T’s zu verstehen, wird Sie also ein gutes Stück weiter in Richtung Ihrer individuellen Situation sowie u.U. des für Sie geeigneten Medikaments bringen. Ein fähiger Arzt bestimmt mit ihrer Hilfe die optimale Einstellung Ihrer Medikamente, die in vielen Fällen idealerweise aus einer Kombination aus T3 und T4 bestehen sollten (bei Hashimoto).

Wichtig ist, dass Sie Ihre Werte mit den Funktionsbereichen abgleichen, nicht den Referenzwertbereichen, die mit Ihren Laborwerten angegeben werden. Letztere sind für Hashimoto-Patienten zu ungenau. Laut Dr. Kharrazian sind Referenzwerte pathologische Werte, die „in der Regel einfach nur die Durchschnittswerte aller Menschen sind, die bereits eine solche Blutuntersuchung haben machen lassen. […] Wir können davon ausgehen, dass zahlreiche dieser Menschen an nicht diagnostizierten Schilddrüsenkrankheiten leiden und ihre Blutwerte ebenfalls ‚mit in den großen Topf geworfen‘ werden, aus dem heraus die ‚Normwerte‘ definiert werden.“ Die Funktionswerte dagegen „veranschlagen das Risiko einer Krankheit, bevor sie sich entwickelt.“

Die folgende Aufstellung soll Ihnen helfen, Ihre Schilddrüsenwerte eigenständig zu interpretieren. Fragen Sie auch Ihren Arzt nach seiner Einschätzung!

TSH
Das schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH, Thyreotropin) ist der wichtigste Faktor bei der Funktionsbestimmung der Schilddrüse. Es wird von der Hypophyse freigesetzt und steigt an, wenn T4 sinkt und umgekehrt. Die Untersuchung dieses Wertes ist keineswegs ausreichend für die Bestimmung einer Schilddrüsenstörung. Oft wird allerdings nur TSH gemessen. Ist TSH erhöht, weist dies auf eine Unterfunktion hin, und umgekehrt.
Funktionsbereich: 1,8-3,0 mlU/l

Gesamt-Thyroxin (gT4)
Dieses beinhaltet die Werte von gebundenem und freiem T4. Der Gesamt-T4-Wert kann durch viele Medikamente verfälscht werden. Die Bestimmung macht nur im Zusammenhang mit anderen Werten – z.B. die T3-Aufnahme – Sinn. Bestimmt man T4 zusammen mit der T3-Aufnahme, kann man die Aktivität von freiem T4 berechnen.
Funktionsbereich: 6-12 µg/dl

Freier Thyroxin-Index (fTI)
Wird durch das Multiplizieren der gT4-Werte mit der T3-Aufnahme ermittelt.
Funktionsbereich: 1,2-4,9 mg/dl

Freies Thyroxin (fT4)
Der Test auf freies Thyroxin (fT4) dient zur Bestimmung der Menge an freiem – stoffwechselaktivem – T4 im Blut. Freies T4 ist bei einer Überfunktion erhöht und bei einer Unterfunktion verringert. Ist der TSH-Wert bei normalem T4 erhöht, weist dies auf eine Unterfunktion hin.
Funktionsbereich: 1,0-1,5 ng/dl

T3-Resin-Aufnahme
Bestimmt die Anzahl der Bindungsstellen, an die sich aktives – ungebundenes – T3 an Proteine binden kann. Je mehr Bindungsstellen, desto niedriger die Aufnahme und desto höher der T4-Wert.
Funktionsbereich: 28-38 mg/dl

Freies Trijodthyronin (fT3)
Bestimmung des freien Hormons T3 dirch aktive Schilddrüsenhormone. Wird im Falle von Überfunktionssymptomen bei normalen FT4-Werten durchgeführt.
Funktionsbereich: 3,0-4,5 pg/ml

Reverses T3 (rT3)
rT3 wird in Fällen von extremem Stress gebildet. Ist T3 erhöht, liegt das oft daran, dass rT3 nicht ausgeschieden werden kann oder ein erhöhter Cortisolspiegel vorliegt.
Funktionsbereich: 90-350 pg/ml

TPO-Antikörper (= MAK)
Antikörper gegen Thyreoidea-Peroxidase, das Enzym, welches für die Bildung der Schilddrüsenhormone verantwortlich ist.
Funktionsbereich: < 35 Iu/ml

Tg-Antikörper
Richten sich gegen Thyreoglobulin.
Normalwert: < 100 U/ml

TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper)
Blockieren die TSH-Rezeptoren, weisen auf Morbus Basedow hin.
Normalwert: < 9 U/ml (TRAKhuman < 1 Ul/ml)


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Links zum Thema:
Datis Kharrazian: Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln; Kirchzarten 2013; Kap. 4
„Erklärung der Schilddrüsenlaborwerte“ auf schilddruesenguide.de

Gluten: Gift für Ihre Schilddrüse!

Durchgehend alle Quellen sind sich offenbar darüber einig, dass Gluten das Schlimmste ist, was Sie als Hashimoto-Patient Ihrem Körper antun können, und zwar interessanterweise ganz unabhängig davon, ob Sie an einer echten Glutenintoleranz oder gar an Zöliakie leiden oder nicht. Erschwerend hinzu kommt, dass Ihr Darm, wenn er einmal entsprechend „sensibilisiert“ ist, auf glutenfreie Getreide reagiert, als hätten Sie tatsächlich Gluten verzehrt (Kreuzreaktion). Zu diesem Phänomen mehr hier.

Wenn der Darm nicht in Ordnung ist (Leaky-Gut-Syndrom), erkennt der Körper ein oft gegessenes Nahrungsmittel u. U. als gefährlich. Für das Immunsystem heißt das ständigen Hochalarm, es dreht über und greift körpereigenes Gewebe an. Gluten – richtigerweise der Gliadinanteil im Gluten – ist für Schilddrüsenpatienten der häufigste Auslöser einer solchen Überreaktion, weil seine Molekularstruktur derjenigen der Schilddrüse sehr ähnlich ist. Dr. Kharrazian vermutet, dass die Ursache des Problems auf diesem Missverständnis beruht. Aufgrund der Verwechselung stimulieren die Gluten-Antikörper auch Antikörper gegen die Schilddrüse, so dass jedes Mal, wenn Gluten aufgenommen wird, sowohl Gluten und Schilddrüse angegriffen werden. Eine solche Immunreaktion kann – trotz umgehendem, striktem Verzicht auf Gluten – bis zu sechs Monate anhalten!

Wenn Sie genetisch zu einer Glutenunverträglichkeit neigen, schwächt das Gluten aktiv Ihren Darmtrakt und macht die Darmwand durchlässiger. Ihr Risiko, sich eine echte Intoleranz oder Zöliakie zuzuziehen (Zöliakie ist ebenfalls eine Autoimmunkrankheit, die allerdings im Dünndarm abläuft), ist damit um ein Vielfaches erhöht.

Entzündungen, die durch Gluten verursacht werden, treten nicht nur im Darm, sondern u. U. auch in den Gelenken, in den Atemwegen, auf der Haut oder im Gehirn auf. Finden Sie heraus, ob Sie genetisch auf eine Glutenunverträglichkeit programmiert sind – in welchem Fall Sie sich darauf einstellen sollten, Gluten für den Rest Ihres Lebens zu meiden. Menschen ohne diese genetische Disposition bilden aufgrund des Leaky-Gut-Syndroms Antikörper gegen Gluten, weshalb sie es in der Anfangsphase der Autoimmun-Paleo-Ernährung unbedingt meiden sollten. Sobald sich der Darm regeneriert hat, kann es sein, dass Gluten wieder ohne Probleme vertragen wird. Trotzdem rät Dr. Kharrazian seinen Patienten in jedem Falle zum absoluten Glutenverzicht: „Selbst von geringsten Mengen ist abzuraten, da auch wenig Gluten das Schilddrüsengewebe irreversibel schädigt. Ich halte sie auch dazu an, Fremdkontaminationen in Restaurants, durch abgepackte Nahrungsmittel und in der eigenen Küche zu meiden.“


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Links zum Thema:
Eintrag zu „Gluten: Ursache von Hashimoto?“ auf Zentrum der Gesundheit
Datis Kharrazian: Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln; Kirchzarten 2013; S. 44-48
Dr. Peter Osborns Videoseminar zum Thema Glutenunverträglichkeit