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Bestandsaufnahme nach einem Jahr AIP (inklusive Provokationsphase)

Vor mehr als einem Jahr, am 1. Oktober 2013, startete ich meinen Selbstversuch auf diesen Pfaden. Was lässt sich im Rückblick berichten, wie weit bin ich gekommen und was bleibt noch zu wünschen?

Vielleicht sollte ich von hinten anfangen. Vor vier Wochen bekam ich meine letzten Schilddrüsenwerte zurück. Zum ersten Mal seit Jahren sind sie – man halte sich fest – alle im Normbereich. Mein Hausarzt, den ich für einen guten, aber Neuem wenig aufgeschlossenen Schulmediziner halte, hat mich hormontechnisch offenbar ganz gut eingestellt. Dass die Ernährungsumstellung mitgeholfen haben soll, wie ich mehrmals in den Raum warf, bestreitet er jedoch nach wie vor rigoros. Es interessiert ihn im Übrigen auch nicht, wie diese Ernährungsumstellung eigentlich aussieht…

AIP-Abendessen in einer kleinen Stadt im Osten Indiens

AIP-Abendessen in einer kleinen Stadt im Osten Indiens

Nach meiner vierwöchigen Indienreise im August gab es zugegebenermaßen einen kleinen Einknick, was meine Gesundheit anging. Nachdem ich mich in Indien einigermaßen Paleo durchgebissen hatte – mithilfe meiner Freunde dort, die meiner Ernährungsweise sehr offen gegenüberstanden, und dennoch mit der ein oder anderen Ausnahme, z.B. Reis –, ging es mir erst mal nicht so gut, als ich wieder zurück war. Ich bekam wieder viele Pickel im Gesicht, meine Periode blieb aus (was sehr ungewöhnlich ist), ich hatte eine Zeitlang regelmäßig Sodbrennen, bekam eine Blasenentzündung und schnitt zu allem Übel auch bei meiner HPV-Untersuchung eher schlecht ab. Meine Müdigkeit war unerträglich. Zunächst ignorierte ich meinen Zustand und wollte endlich wieder mehr essen, neue Paleo-Backwaren und -Desserts ausprobieren, und dies bitteschön alles bei gleichbleibender Gesundheit. Aber meinem Körper ging das offenbar zu schnell.

Neu-Delhi

Mittlerweile glaube ich, dass der Ausnahmemonat Indien zwar Auswirkungen auf meinen Körper hatte (so machte meinem Immunsystem auch eine beide Beine und Unterarme übersäende Bettwanzenattacke während meines Aufenthalts ungemein zu schaffen). Aber auch mehrere gehörige Stressfaktoren privat und zurück in der Arbeit haben ohne Zweifel dazu beigetragen, dass es erst einmal bergab ging, als der Urlaub vorbei war. Und so schraubte ich alles wieder zurück auf Basisernährung (Eliminationsphase), und so langsam fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut. Hat immerhin zwei Monate gedauert, und ich werde nie genau wissen, woran es tatsächlich lag…

All dies passierte wie gesagt in den letzten 8 Wochen. Wie aber sieht die Beurteilung meines gesamten AIP-Jahres aus? Mein Körper hat sich in vielerlei Hinsicht sehr verändert. Er reagiert viel deutlicher und hartnäckiger als früher – klar, ich achte natürlich auch ganz anders auf Zeichen jeglicher Art.

Verbesserungen:

  • Hashimotosymptome: nach einem Jahr sind die Antikörperwerte im Normbereich. Sie gingen stetig nach unten, es gab keine Schwankungen nach oben.
  • Blähungen und alles, was dazu gehört: fast verschwunden, vor AIP ein permanentes, nicht in den Griff zu bekommendes und sehr unangenehmes Problem.
  • Die anfänglichen ernsthaften (!) Verstopfungsprobleme haben sich in Luft aufgelöst. Besonders die Einführung von stärkehaltigen, unbedenklichen Gemüsesorten (Kochbanane und Taro), das Herumexperimentieren mit resistenter Stärke sowie der Verzehr von selbstgemachten, fermentierten Nahrungsmitteln (Kombucha, wilde Fermente) haben hier wohl einen nicht unmaßgeblichen Teil beigetragen.
  • Zähne: Meine übersensiblen Zähne sind schmerzunempfindlicher geworden. Vor AIP konnte ich keinen Luftzug oder kaltes Wasser aushalten. Geholfen haben hier meines Erachtens der regelmäßige Verzehr von Leber, Eigelb und pulverisierten Eierschalen sowie der Verzicht auf herkömmliche Zahncreme. Inspiriert hat mich v.a. dieser Artikel.
  • Körperliche Anstrengung: Beim Sport bin ich leistungsfähiger und falle danach nicht gleich ins Bett vor Erschöpfung. Ich trainiere einmal die Woche in einem Selbstverteidigungskurs, gehe joggen, wenn ich mich besonders energiegeladen fühle (hey, das kommt tatsächlich wieder vor!), mache morgens ein 7-Minuten-Training zum Aufwachen und gehe während der Mittagspause fast täglich eine Stunde spazieren. Auch Letzteres war vor AIP eher anstrengend für mich, und manchmal habe ich auch heute zwischendurch Tage, an denen mir alle körperliche Anstrengung schwerer fällt.
  • Erkältungen: treten sehr viel seltener auf und halten nicht allzu lange an, die Anfälligkeit bleibt aber bestehen. V.a. Klimaanlage und Durchzug knocken mich nach wie vor mit ziemlicher Sicherheit aus. Auf Trab halte ich mich im Falle des Falles mit Angocin, das erste Erkältungsmittel, das bei mir wirklich hilft. Meiner Heilpraktikerin sei Dank!

Was sich nur wenig bis nicht wirklich verbessert hat:

  • Trotz Magnesiumsupplementierung habe ich regelmäßig nächtliche Wadenkrämpfe.
  • Pickel: Auch wenn sich mein Hautbild sehr beruhigt hat, bleibt mein Pickelproblem und meine unreine Gesichtshaut bestehen. Das Kuriose ist: Die Pickel sind nicht mehr das, was sie mal waren… sie treten an den unmöglichsten Stellen auf (z.B. hinter dem Ohr), sind hart statt eitrig und entzünden sich gerne.
  • Trockene oder entzündete Gesichtshaut: habe ich immer mal wieder, z.B. beim Verzehr von Nüssen. Es entstehen rauhe Stellen, eine rote Oberlippe oder andere Entzündungsstellen im Gesicht, wenn ich das Falsche esse. Ich versuche dann, mit Ölmasken und seifenfrei der Lage Herr zu werden. Die Wurzel des Übels befindet sich allerdings stets ganz eindeutig im Körper.
  • Obwohl sich meine lähmende Müdigkeit schon sehr gelegt hat, habe ich regelmäßig mit ihr zu kämpfen. Ich hatte über lange Strecken hinweg krasse Schlafprobleme, in denen ich nicht einschlafen konnte, nicht durchgeschlafen habe oder morgens nicht rauskam. Mehr Schlaf (will heißen: früher ins Bett!) hilft eindeutig und sollte (auch von mir) nicht unterschätzt werden.
  • HPV bleibt bisher bestehen.

Ich will nicht verschweigen, dass ich bisher nur äußerst wenige Nahrungsmittel wieder erfolgreich eingeführt habe, z.B. Eigelb, bestimmte Gewürze, Ghee, sowie die meisten FODMAPS (die ich aber sicherheitshalber auf einem Minimum halte). Die Quantität spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Ich bin nach ein paar schlechten Erfahrungen jedoch eher vorsichtig geworden.

Zudem nehme ich so ziemlich die gesamte Palette an Nahrungsmittelergänzungen ein:

  • Vitamine: A, B-Komplex, C, D, E, K2
  • Magnesium
  • Zink
  • Selen
  • Folsäure
  • Biotin
  • Kupfer
  • Omega 3
  • zwei hochwertige Allround-Nahrungsergänzungsmittel auf Empfehlung meiner Heilpraktikerin, im Rahmen der Zellsymbiosetherapie
  • ein immunstärkendes Präparat im Rahmen der Mikroimmuntherapie, ebenfalls auf Empfehlung meiner Heilpraktikerin

Meine Hauptbaustelle ist nun die HPV-Infektion. Viele in der Paleo-Community schwören auf AIP auch bei HPV. Ganzheitlich arbeitende Ärzte und Heilpraktiker empfehlen die Mikroimmuntherapie. Zumindest hörte die Entzündung nach der Ernährungsumstellung auf zu bluten und der Befund verbesserte sich für etwas mehr als 6 Monate deutlich. Ich arbeite permanent daran und versuche mein Bestes – therapeutisch, ernährungstechnisch und auch psychisch, denn es ist kein gutes Gefühl, einen Virus in sich zu tragen, den man gar nicht merkt. Die Schilddrüse hat bei einem Schub jedenfalls immer aufgeregt geflattert, so dass ich wusste, wann wieder etwas im Busch war. Zumindest das ist mittlerweile eindeutig unter Kontrolle!

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Kochbananen

Und hier das Ergebnis meines Kochbananen-Experiments. Da ich nicht sicher war, ob das nun ein süßes Gemüse ist oder nicht – viele Rezepte enthalten Zimt –, habe ich ein bisschen Speck mit angebraten. Die dünn geschnittenen Scheiben wurden, in der Pfanne in Kokosöl gebraten, schön knusprig und hatten fast chipsartigen Charakter. Kochbananen haben – zumindest, wenn ihre Schale noch grün ist – kaum einen Eigengeschmack und sind leicht mehlig. Mit Zimt schmecken sie bestimmt genauso hervorragend!

Es gibt sicher viele Arten, Kochbananen zu schälen, und die Schale ist in der Tat sehr hart. Sarah Ballantyne hat sich die Mühe gemacht, ein Video über Kochbananen zu drehen, darin erklärt sie auch, wie man die Früchte am besten schält und verwendet. Ich kann nicht verleugnen, dass ich ein großer PaleoMom-Fan bin, deshalb hier ihre Erläuterungen auf Englisch:

Yuca und Kochbanane

Yuca und grüne Kochbananen

Yuca und grüne Kochbananen

Darf ich vorstellen? Meine neu auserkorenen Ingredienzen!

Nachdem ich herausgefunden habe, dass Karotten, Petersilienwurzel, Kürbis, Süßkartoffeln etc. kaum Stärke enthalten, war ich heute in einem für mich ungewohnten Laden einkaufen: Einem kleinen Asien-Importeur. Für’s Abendessen mischte ich meine Karotten mit kleingeschnittener Yuca. Sehr lecker!

Die Kochbananen sind morgen dran…

Vorbereitung auf den nächsten Arztbesuch

Seit ich meine Ernährungsweise geändert habe, war ich noch nicht wieder beim Arzt. Aber mein nächster Besuch steht sehr bald an, da ich neue Schilddrüsentabletten brauche. Durch meine Lektüre in den letzten Monaten ist mir klar geworden, dass ich mir ein dickes Fell zulegen muss, wenn ich meinen Hausarzt in meine Pläne einweihen will. Als Laie redet er mich sicher unter den Tisch. Mir fehlt (momentan) auch noch das Selbstbewusstsein, genug über diese Krankheit und meinen eigenen Zustand zu wissen.

In den zahlreichen Hashimoto- und Autoimmun-Büchern, die meine Bibliothek mittlerweile bereichern, finden sich jede Menge Tipps zu Untersuchungen, denen man sich als Hashimoto-Patient unbedingt unterziehen sollte. Ob mir die gesetzliche Krankenkasse diese Untersuchungen zahlt oder nicht, muss ich erst noch herausfinden, doch ich habe das Gefühl, dass sie eher unter „nicht notwendig“ verbucht werden. Ich spiele auch ernsthaft mit dem Gedanken, eine Zusatzversicherung für Heilpraktiker abzuschließen.

Hier die Liste der Untersuchungen, die in der Literatur mehrfach empfohlen werden, inkl. der Testarten und Gegenmaßnahmen bei schlechten Werten:

Schilddrüsenwerte: TSH, freies T3 und T4, reverse-T3, um die Dosierung des Schilddrüsenmedikaments zu bestimmen; TPO und Thyroglobulin Antikörper etwa alle 3 Monate, um Ihren allgemeinen Fortschritt bei der Bewältigung von Hashimoto zu messen. Die Antikörperwerte sollten mit der Ernährungsumstellung und richtigen medikamentösen/nährstofforientierten Einstellung deutlich zurückgehen. Bestehen Sie zumindest am Anfang auf die Antikörperwerte. Sollten Sie Ihre Ernährung noch nicht umgestellt haben, empfiehlt sich ein Vorher/Nachher-Vergleich.
Art des Tests: Bluttest
Gegenmaßnahmen: Ernährungsumstellung, richtige Einstellung der Schilddrüsenhormonpräparate, ggf. Wechsel des Schilddrüsenmedikaments

Anämie (Blutarmut): An ihr kann eine erfolgreiche Schilddrüsenbehandlung scheitern. Dr. Kharrazian empfiehlt, vor allem anderen festzustellen, ob eine Anämie vorliegt und diese mit Vorrang aus der Welt zu schaffen.
Unterscheidung: perniziöse Anämie (autoimmun), Anämie aufgrund eines Erythrozytendefekts (hier schadet die weitere Aufnahme von Eisen!)
Art des Tests: Bluttest (?)
Gegenmaßnahmen: Supplementierung mit Eisen (nicht in jedem Fall, s. Kharrazian (1), Kap. 4) bzw. Beseitigung des Entzündungsherds

Nebennierenschwäche und damit verbundene Konversionsstörung (T4 > T3): Auskunft über den Grad der Nebennierenschwäche
Art des Tests: Speicheltest

Blutzuckerspiegel: Dysglykämie, Hypoglykämie, auch reaktive Hypoglykämie, Hyperglykämie, Insulinresistenz
Art des Tests: Blutzuckertest
Gegenmaßnahmen: S. Kharrazian (1), Kap. 5

MTHFR-Mutation: Dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte Störung im Folsäurestoffwechsel, die in Zusammenhang mit Hashimoto vermehrt auftritt. Ihr sind oft Fehlgeburten geschuldet, aber auch neurologische Beschwerden, Muskelschwäche und verschiedene Krebsformen gehen auf sie zurück.
Art des Tests: Gentest

Nahrungsmittelallergien, darunter Fructose-Malabsorption und genetisch vorprogrammierte Glutenunverträglichkeit bzw. Zöliakie: Mittels Allergietests lässt sich herausfinden, auf welche Nahrungsmittel und Umweltfaktoren Sie allergisch reagieren. Angeblich sind solche Tests jedoch nicht immer 100% verlässlich und müssen u.U. mehrmals durchgeführt werden. Die Eliminationsernährung liefert die besseren Ergebnisse, wenn Sie sich gezielt auf ein Nahrungsmittel und dessen Wirkung auf Ihren Organismus konzentrieren.
Art des Tests: ALCAT oder ähnliche Angebote
Gegenmaßnahmen: Eliminierung der nicht vertragenen Lebensmittel

Nähr- und Vitalstoffanalyse: Auskunft über Nähr- und Vitalstoffmangel im Blut; wichtig sind besonders Eisen (s. Anämie), Ferritin, Vitamin B12, Vitamin D, Kupfer, Zink
Art des Tests: Bluttest
Gegenmaßnahmen: Entsprechende Nahrungsergänzungsmittel

Bestimmung des EFA-Status (also des Verhältnisses von essentiellen Fettsäuren im Blut): Essentielle Fettsäuren sind wichtig für die Hormonbildung, die Zellkommunikation und eine gesunde Gehirnfunktion. Das ideale Verhältnis zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren liegt bei 3:1 bis 5:1. Insulinresistenz (s.u.) verhindert die Aufnahme und wandelt die Fettsäuren stattdessen in entzündungsfördende Verbindungen um.
Gegenmaßnahmen: Verzehr von Fischöl (besonders bei Insulinresistenz!), Leinsamen, Leinöl, Nachtkerzenöl, Borretschöl und Schwarzkümmelöl.

TH1- oder TH2-Dominanz: bestimmt, welche Seite des Immunsystems aktiver ist und hilft dabei, das immunologische Gleichgewicht wiederherzustellen und den Umfang der Immunreaktion in Schach zu halten
Art des Tests: immunologischer Serumtest
Gegenmaßnahmen: s. Kharrazian (1), Kap. 3

weitere Autoimmunkrankheiten: z.B. Diabetes, Autoimmunerkrankung des Kleinhirns uva.
Art des Tests: Bluttest (Antikörper)
Gegenmaßnahmen: Immunmodulation, s. Kharrazian (1), S. 53

weitere Krankheiten: z.B. Epstein-Barr-Virus, Lyme-Borreliose, andere Viren

immunologischer Test: deckt Virusinfektionen sowie anormale Immunregulation auf

Genetische Stuhlanalyse: Auskunft über Parasitenbefall, Bakterienbefall, Pilzbefall (Candida albicans), Entzündungsherde im Darm, Verdauungsleistung, Nährstoffaufnahme etc.
Art des Tests: Stuhltest (GI Energetics Complete o.ä.)
Gegenmaßnahmen: Entsprechende Ernährungsumstellungen

Lactulose-Mannitol-Test: bestimmt die Darmdurchlässigkeit
Art des Tests: Urintest nach Trinken von zwei Zuckerlösungen

Dünndarmfehlbesiedlung: Bestimmung von Bakterienbefall im Dünndarm
Art des Tests: Atemtest
Gegenmaßnahmen: Entsprechende Ernährungsumstellung

Hypochlorhydrie: Bestimmung des Gehalts an Magensäure im Magen
Art des Tests:
Gegenmaßnahmen: Vorübergehende, regelmäßige Einnahme von Betain HCl

Hormonhaushalt

endokrinologische Tests

Diese Liste wird ständig erweitert und ergänzt. Viel Erfolg!

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Links und Literatur zum Thema:
Datis Kharrazian: Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln, Kirchzarten 2013. = Kharrazian (1)
Datis Kharrazian: Why isn’t my brain working?, Carlsbad 2013. = Kharrazian (2)
Izabella Wentz: Hashimoto’s Thyroiditis. Lifestyle Interventions for Finding and Treating the Root Cause, 2013.