Unverträglichkeit gegen vormals tolerierte Nahrungsmittel

Mein Hautausschlag, wahrscheinlich Pityriasis rosea (Röschenflechte)

Es kann äußerst frustrierend sein, sich wochenlang strikt an bestimmte Ernährungsregeln zu halten, nur um danach festzustellen, dass man plötzlich auf alles Mögliche reagiert. So geht es auch mir: Nicht selten schraube ich zurück auf meine persönliche oberste Toleranzgrenze, weil ich irgendein Lebensmittel nicht mehr zu vertragen scheine. Oft lasse ich dann mehr als ein Lebensmittel wieder aus, weil ich nicht mehr feststellen kann, welches der zwei oder drei Nahrungsmittel – oder womöglich eine Kombi? – meinen Körper reagieren lässt. Man kann nicht oft genug wiederholen, dass man beim Austesten neuer Nahrungsmittel so langsam wie nur möglich vorgehen sollte.

Schon länger merke ich, dass einerseits mein Immunsystem deutlich schneller mit Erkältungsanflügen fertig wird – vor der Umstellung war ich etwa alle 3-6 Wochen krank –, andererseits bin ich sehr viel sensibler geworden, was Nahrungsmittel angeht. So hätte ich nie gedacht, dass ich Reis – eine scheinbar völlig neutrale Beilage – nicht oder nur in Maßen vertragen würde. Seit ein paar Wochen habe ich jedenfalls einen Hautausschlag, der ziemlich plötzlich begann, und zwar mit einem etwa fingerkuppengroßen, rauen, jedoch schmerzfreien Fleck am Nacken. Nach und nach bildeten sich kleinere, ähnlich aussehende Flecken auf meinem Oberkörper. Momentan sind es 6 Stellen. Nach eigener Recherche und Nachfrage im Forum meines Vertrauens gehe ich davon aus, dass es sich um Pityriasis rosea, eine Pilzerkrankung, handelt. Seit einigen Tagen behandle ich die Stellen mit Teebaumöl, bisher ohne sichtbaren Erfolg.

Aber auch für diese starken, fast schon allergischen Reaktionen auf vormals offenbar Vertragenes gibt es eine Erklärung, die in unserem Körper liegt. Hier die Kurzversion von Sarah Ballantynes Kapitel über dieses Phänomen:

Zwei verschiedene Zelltypen kommen hierbei ins Spiel: Der erste Typ reagiert auf Fremdkörper (jeweils unterschiedliche Zellen für verschiedene Arten von Fremdkörpern) und schlagen Alarm (z.B. gegen Proteine aus Nahrungsmitteln > Gluten!). Ein anderer Zelltyp ist dafür zuständig, diese Reaktion im Zaum zu halten, damit sie nicht außer Kontrolle gerät. Beide Typen sollten aufgrund der Ernährungsumstellung überflüssig werden und verschwinden, allerdings stirbt Typ II schneller ab als Typ I, weshalb der Körper zunächst empfindlich auf nicht tolerierte Nahrungsmittel reagiert, nachdem man einige Zeit darauf verzichtet hat. Die Reaktion wird also nicht mehr oder nur unzulänglich gebannt.

All dies bedeutet nicht, dass man irgendetwas falsch macht oder dass die Eliminationsernährung nicht wirkt. Es bedeutet erst recht nicht, dass uns die Ernährungsumstellung noch kranker und noch sensibler macht, als wir es ohnehin schon sind. In Wirklichkeit haben wir dieses spezielle Nahrungsmittel nämlich nie vertragen!

Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Letztendlich wird auch Typ I der oben genannten Zellen verschwinden, so dass das jeweilige Nahrungsmittel keine Reaktion mehr hervorruft. Je nährstoffreicher unsere Ernährung, je stärker unser Immunsystem und unser Darm, desto sicherer gelingt es unserem Körper irgendwann, das problematische Nahrungsmittel wieder zu tolerieren. Bei Allergien verhält sich dies ein wenig anders, da sich unser Körper an Allergien sehr viel länger „erinnert“ als an Unverträglichkeiten. Wie immer ist die Zeit, die unser Körper dafür braucht, individuell verschieden.
______________________________
Links zum Thema:
Sarah Ballantyne: The Paleo Approach, S. 336-337.

Advertisements

2 Gedanken zu „Unverträglichkeit gegen vormals tolerierte Nahrungsmittel

  1. Gitta

    Liebe Maren!

    Sehr interessant Deine Seite und auch dieser Artikel besonders. Ich selbst habe gerade erst seit einer guten Woche mit AIP angefangen mit einem unglücklichen Start, da ich ab Tag 1 Durchfall 1-3 mal am Tag hatte und sich das seit dem nicht wirklich gelegt hat. Hatte ich vorher so noch nie, doch mache ich es wegen meiner Unverträglichen und diverser merkwürdiger Symptome, die halt wie immer niemand erklären kann. Zu meiner Frage mit Unverträglichkeiten: Mir geht es jetzt in der 1. Woche schon so, dass ich mich frage, ob ich auf einige erlaubte Nahrungsmittel Reaktionen habe – kommt das auch vor? Und davon dann noch mehr wegzulassen ist ja nicht so einfach. Wäre dankbar für eine Antwort Hab leider noch keine Ärztin oder Hp gefunden, die mich in Berlin mit AIP begleiten könnte.

    Dank im Voraus
    Gitta

    Antwort
    1. Maren Autor

      Liebe Gitta,

      Du kannst Dich an Dr. Simone Koch hier in Berlin wenden (http://www.drkochs.de/), sie kennt sich gut aus mit Autoimmun-Paleo. Lass‘ Dich am Anfang nicht entmutigen, der Körper braucht Zeit, um sich umzustellen.

      LG und viel Erfolg,
      Maren

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s