Archiv der Kategorie: Vorsicht!

Gluten: Gift für Ihre Schilddrüse!

Durchgehend alle Quellen sind sich offenbar darüber einig, dass Gluten das Schlimmste ist, was Sie als Hashimoto-Patient Ihrem Körper antun können, und zwar interessanterweise ganz unabhängig davon, ob Sie an einer echten Glutenintoleranz oder gar an Zöliakie leiden oder nicht. Erschwerend hinzu kommt, dass Ihr Darm, wenn er einmal entsprechend „sensibilisiert“ ist, auf glutenfreie Getreide reagiert, als hätten Sie tatsächlich Gluten verzehrt (Kreuzreaktion). Zu diesem Phänomen mehr hier.

Wenn der Darm nicht in Ordnung ist (Leaky-Gut-Syndrom), erkennt der Körper ein oft gegessenes Nahrungsmittel u. U. als gefährlich. Für das Immunsystem heißt das ständigen Hochalarm, es dreht über und greift körpereigenes Gewebe an. Gluten – richtigerweise der Gliadinanteil im Gluten – ist für Schilddrüsenpatienten der häufigste Auslöser einer solchen Überreaktion, weil seine Molekularstruktur derjenigen der Schilddrüse sehr ähnlich ist. Dr. Kharrazian vermutet, dass die Ursache des Problems auf diesem Missverständnis beruht. Aufgrund der Verwechselung stimulieren die Gluten-Antikörper auch Antikörper gegen die Schilddrüse, so dass jedes Mal, wenn Gluten aufgenommen wird, sowohl Gluten und Schilddrüse angegriffen werden. Eine solche Immunreaktion kann – trotz umgehendem, striktem Verzicht auf Gluten – bis zu sechs Monate anhalten!

Wenn Sie genetisch zu einer Glutenunverträglichkeit neigen, schwächt das Gluten aktiv Ihren Darmtrakt und macht die Darmwand durchlässiger. Ihr Risiko, sich eine echte Intoleranz oder Zöliakie zuzuziehen (Zöliakie ist ebenfalls eine Autoimmunkrankheit, die allerdings im Dünndarm abläuft), ist damit um ein Vielfaches erhöht.

Entzündungen, die durch Gluten verursacht werden, treten nicht nur im Darm, sondern u. U. auch in den Gelenken, in den Atemwegen, auf der Haut oder im Gehirn auf. Finden Sie heraus, ob Sie genetisch auf eine Glutenunverträglichkeit programmiert sind – in welchem Fall Sie sich darauf einstellen sollten, Gluten für den Rest Ihres Lebens zu meiden. Menschen ohne diese genetische Disposition bilden aufgrund des Leaky-Gut-Syndroms Antikörper gegen Gluten, weshalb sie es in der Anfangsphase der Autoimmun-Paleo-Ernährung unbedingt meiden sollten. Sobald sich der Darm regeneriert hat, kann es sein, dass Gluten wieder ohne Probleme vertragen wird. Trotzdem rät Dr. Kharrazian seinen Patienten in jedem Falle zum absoluten Glutenverzicht: „Selbst von geringsten Mengen ist abzuraten, da auch wenig Gluten das Schilddrüsengewebe irreversibel schädigt. Ich halte sie auch dazu an, Fremdkontaminationen in Restaurants, durch abgepackte Nahrungsmittel und in der eigenen Küche zu meiden.“


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Links zum Thema:
Eintrag zu „Gluten: Ursache von Hashimoto?“ auf Zentrum der Gesundheit
Datis Kharrazian: Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln; Kirchzarten 2013; S. 44-48
Dr. Peter Osborns Videoseminar zum Thema Glutenunverträglichkeit

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Vorsicht: Jod!

Für die Schilddrüse ist Jod unverzichtbar, um das Schilddrüsenhormon zu produzieren. Es stellt einen wichtigen Cofaktor und Stimulator des Enzyms TPO dar.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie als Hashimoto-Patient extra viel Jod zu sich nehmen sollten. Im Gegenteil: Dr. Kharrazian vergleicht die  Einnahme von Jod als „Versuch, ein Feuer mit Benzin zu löschen“. Denn wenn die Bildung von TPO stimuliert wird, steigen auch die Antikörperwerte. Überfunktionssymptome können dann die unangenehme Folge sein.

Meiden Sie also zusätzliches Jod, wo Sie nur können, und ersetzen Sie v.a. jodiertes Speisesalz durch unbehandeltes Stein- oder Himalajasalz. Achten Sie auch bei Nahrungsergänzungsmitteln darauf, dass kein Jod enthalten ist.

Nahrungsmittel, die auf natürliche Weise Jod enthalten (wie Seefisch oder Seetang), sollten dagegen in ganz normalen Dosen integriert werden. Sie stellen keine Gefahr per se dar.

Jodmangel ist übrigens weltweit die häufigste Ursache für die Schilddrüsenunterfunktion. Die Verabreichung von Jod bei Jodmangel lässt die Zahl der Autoimmunerkrankungen jedoch nachweislich steigen. Besonders Jodsupplemente provozieren einen Autoimmunangriff auf die Schilddrüse und hemmen die TPO-Aktivität, wodurch die Antikörperwerte steigen.

Wichtig: Achten Sie im Zusammenhang mit Ihren Jodwerten immer auch auf einen stabilen Selenhaushalt. Bei ausreichender Versorgung mit Selen sollten Sie weniger Probleme mit Jod haben.

Der beste Weg, um herauszufinden, wie es um Ihren Jodhaushalt steht, ist ein Urintest, bei dem man zunächst eine hohe Dosis an Jod verabreicht bekommt und dann 24 später Urin abfängt. Bei Jodmangel hält der Körper mehr Jod zurück, als aufgenommen wurde, so dass der Gehalt im Urin ungewöhnlich niedrig ausfällt.
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Links zum Thema:
Eintrag zu Jod auf A Clean Plate
Datis Kharrazian: Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln; Kirchzarten 2013; S. 42 f.
Datis Kharrazians Bericht zu Jod und Hashimoto auf seinem Blog
Chris Kressers Bericht zu Jod und Hashimoto auf seinem Blog

Warum keine Milchprodukte?

Bei der Autoimmun-Paleo-Ernährung reicht es oft nicht aus, nur eine Nahrungsmittelgruppe zu meiden. Denken Sie immer daran, dass Ihr Darm höchstwahrscheinlich durchlässig ist, und zwar auch für Substanzen, auf die Sie unter normalen Umständen nicht negativ reagieren würden. Daher werden anfangs alle allergenen Nahrungsmittel gemieden. Das saniert den Darm. Im Anschluss lässt sich viel schneller herausfinden, auf welche Nahrungsmittel der Körper tatsächlich reagiert.

Während Gluten in jedem Falle und am besten für immer von der Liste gestrichen werden sollte (die Gründe dafür finden Sie hier), gibt es weitere Auslöser, die zu anhaltenden Symptomen führen können.  So vertragen viele Menschen kein Kuhmilcheiweiß (chemisch handelt es sich um a-Lactalbumin, b-Lactoglobulin, Casein, Lipoproteine und Albumosen-Peptongemische) oder reagieren gar allergisch darauf. Im letzteren Fall sendet der Körper Immunglobulin E (IgE-Antikörper) gegen die Milchproteine aus, was wiederum eine Autoimmunreaktion ist. Zudem gehören Milchprodukte zu den gluten-kreuzreaktiven Lebensmitteln, auf die Sie in jedem Fall in der Anfangsphase verzichten sollten.

Die Wissenschaft hält Argumente sowohl für als auch gegen den Milchkonsum durch Erwachsene bereit. Da wir unseren Darm schonen wollen, überwiegen für uns leider die Nachteile:

  • Milch ist ein nährstoffarmes und zudem hoch allergenes Nahrungsmittel
  • Milch treibt das Insulin im Blut nach oben. Im Zusammenhang mit einer kohlenhydratreichen Ernährung kann ein erhöhter Milchkonsum so zu Insulinresistenz führen. Zudem kann Insulin Entzündungen fördern.
  • Milch enthält tierische Hormone, die den eigenen Hormonspiegel aus dem Gleichgewicht bringen können.
  • Milch enthält Proteaseinhibitoren, die zu einer durchlässigen Darmwand führen können.
  • Milch ist schleimbildend. Wer zu Asthma neigt, sollte daher dringend auf Milchprodukte verzichten. Aber auch im Magen-Darm-Trakt siedelt sich bei erhöhtem Milchkonsum Schleim an, der die Darmwand schädigen und damit die Aufnahme von Mineralien und Nährstoffen hemmen kann.

Sind alle Milchprodukte gleichermaßen zu meiden?
Meiden Sie für mindestens 4-8 Wochen normale Kuhmilchprodukte, da sie besonders viel Lactose (also Milchzucker) und Milcheiweiß (Casein) enthalten. Beginnen Sie in der Wiedereinführungsphase zunächst mit Ziegenmilch und roher Kuhmilch, sie sind sehr viel weniger allergen und liefern die entsprechenden Enzyme, die der Mensch für ihre Verdauung braucht, gleich mit. Achten Sie stets auf beste Qualität, also am besten Milch von Weidetieren.

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Links zum Thema:
Sarah Ballantynes Blogeintrag zu Milchkonsum in der Autoimmun-Paleo-Ernährung

Vorsicht: Fructose-Malabsorption!

Während der ersten paar Wochen meiner Ernährungsumstellung verzehrte ich viel getrocknete Kokosnuss, die ich zuvor nie gegessen hatte. Sie schmeckte mir und ich ass sie immer öfter als Zwischenmahlzeit. Irgendwann begann mir beim Verzehr der Hals zu kratzen, was ich jedoch tunlichst ignorierte, da ich meinen neu errungenen Wohlfühlsnack nicht mehr missen wollte. Mein Darm schien sich jedoch wieder zu entzünden, nachdem ich wochenlange keine Probleme festgestellt hatte (vielleicht war ich aber auch zu sehr mit den positiven Zeichen beschäftigt). In den Foren hatte ich schon öfter gelesen, dass Leute empfindlich auf Kokosnussprodukte reagieren. Bei Verdacht auf Fructose-Malabsorption – ein Zustand, bei dem Fructose und längere Zuckermoleküle, die dieselbe enthalten, nur unzulänglich verdaut werden – ist Kokos sogar für eine Zeit von der Liste der erlaubten Nahrungsmittel zu streichen.

Obendrein scheint meine Verdauung in irgendeiner Weise gestört, seit ich meine Ernährung umgestellt habe (fester Stuhl, der irgendwo im Darm feststeckt). Auch genügend Flüssigkeit hilft nicht. Als ich noch genug Körner bzw. Pseudogetreide ass, hatte ich keine Probleme dieser Art. Was nicht heißt, dass wir sie deswegen also doch essen sollten… Die Ursache muss woanders liegen.

Nach dem Ausschlussverfahren verordne ich mir seit dieser Woche ein fructosearmes Intermezzo von einem Monat. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit…

Was ist Fructose-Malabsorption?
Wie der Name schon sagt, wird bei der Fructose-Malabsorption die Fructose nur unzulänglich aufgenommen, und zwar von der Dünndarmwand. Der Zuckertransport funktioniert also nicht, wie er sollte, da der Körper das Transportprotein GLUT-5 (welches für die Aufnahme der Fructose über die Darmschleimhaut zuständig ist) nicht in ausreichender Menge produziert. Es handelt sich hierbei also nicht automatisch um eine Unverträglichkeit oder gar eine Allergie. Eine Fructose-Unverträglichkeit liegt nur dann vor, wenn der Transportdefekt angeboren bzw. vererbt ist.

Das Problem kann seinen Ursprung aber auch schon früher im Verdauungsprozess haben, nämlich dann, wenn dem Körper die Enzyme fehlen, um Mehrfachzucker (also Kohlenhydrate) in Einfachzucker (Monosaccharide) zu spalten.

Fructosehaltige Nahrungsmittel enthalten kurze Kohlenhydratketten, die schon bei gesunden Menschen deutlich schwerer verdaut werden. Gelangt Fructose unverdaut in den Dickdarm, nährt die Fructose dort Bakterien (eigentlich gutartig), die sich dann ständig vermehren und zur Gärung und somit zur Gasbildung führen. Wasser wird nun schlechter vom Dickdarm aufgenommen (das ist schlecht, da es sich hierbei um eine seiner Hauptaufgaben handelt).

Symptome einer Fructose-Malabsorption
Die Verstoffwechslung der Fructose zu Wasserstoff und Kohlendioxid kann folgende Beschwerden hervorrufen:

  • Blähungen/Gasbildung
  • Verstopfung
  • Völlegefühl
  • Verdauungsprobleme
  • Krämpfe und Schmerzen im Unterleib
  • Durchfall
  • Aufstoßen
  • Antriebslosigkeit

Fructose-Malabsorption kann durch die Messung des Wasserstoffs beim Ausatmen sicher diagnostiziert werden (Wasserstofftest). Will man der medikamentösen Behandlung aus dem Wege gehen, besteht die Möglichkeit, in Eigenregie die Aufnahme von Fructose über die Nahrung zu drosseln.

Vorrübergehendes Meiden von Fructose und Sorbit
Bei Verdacht auf Fructose-Malabsorption ist es angebracht, für eine kurze Zeit – etwa einen Monat – auf fructosehaltige Nahrungsmittel zu verzichten. Im Zuge der Autoimmun-Ernährung erhöht dies selbstverständlich den Verzicht noch weiter. Die gute Nachricht ist, dass Betroffene nach dieser Meidungsphase die weggelassenen Lebensmittel meist wieder uneingeschränkt zu sich nehmen können.

Da der Zuckeralkohol Sorbit das Transportprotein GLUT-5 und somit die Aufnahme von Fructose zusätzlich hemmt, sollte auch auf Sorbit verzichtet werden (besonders in Steinobstsorten enthalten). Im Gegenzug fördert Glucose (Traubenzucker) die Aufnahme von Fructose.

Fructosehaltige Obst- und Gemüsesorten
Meiden Sie vorwiegend und zusätzlich zu den ohnehin zu meidenden Lebensmitteln:

  • süßes Obst (Äpfel, Birnen, Melone, Trauben, Johannisbeeren, Erdbeeren)
  • Steinobst (Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen)
  • Trockenobst
  • Obstsäfte
  • Kokosnussprodukte
  • Honig (der fast ausschließlich aus Fructose besteht)
  • Lauch
  • Zwiebeln
  • Spargel
  • Erbsen
  • alle Kohlsorten außer Grünkohl (Broccoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Weißkohl, Rotkohl, Chinakohl, etc.)
  • Alkohol
  • alles, was Zucker enthält

Gut vertragen werden in der Regel:

  • Karotten
  • Pastinaken
  • Spinat
  • Frühlingszwiebeln
  • grüne Bohnen
  • Zucchini
  • grüner Salat
  • Gurke
  • Oliven (Vorsicht vor weiteren Zutaten!)
  • Ingwer
  • Kurkuma
  • Kokosöl
  • eher saures Obst wie Mandarinen, Zitronen, aber auch reife Bananen

Mit Vorsicht zu genießen (individuell verschieden, oft kommt es nur auf die Menge an):

  • Obst: Orangen, Krischen, Kiwis, Kakis, verschiedene Beerensorten, Ananas, Mango
  • Gemüse: Rhabarber, Schwarzwurzeln, Artischocken, Sellerie, Fenchel, rote Beete, Avocados, Knoblauch, Süßkartoffeln, Kürbis

Die Meinungen über solche Listen gehen auseinander, besonders, was die zu meidenden und mit Vorsicht zu genießenden Nahrungsmittel angeht. Halten Sie sich daher v.a. an die aufgelisteten erlaubten Nahrungsmittel und gehen Sie keine waghalsige Experimente ein, die Sie auf Ihrem Heilungsweg unnötig zurückversetzen könnten. Denken Sie immer daran, dass es sich um einen begrenzten Zeitraum handelt…

Essen Sie Gemüse lieber gegart als roh. Versuchen Sie, beim Verzehr der erlaubten Obstsorten auch ein wenig Traubenzucker mit aufzunehmen, um die Fructoseabsoption zu begünstigen. Trinken Sie außerdem viel Kraftbrühe, um die Darmsanierung zu unterstützen.

Nach etwa vier Wochen…
haben sich die Beschwerden hoffentlich gelegt und Sie können allmählich versuchen, wieder mehr Fructose zu sich zu nehmen. Machen Sie auf Dauer einen möglichst großen Bogen um Nahrungsmittel mit einem hohen Fructosegehalt wie

  • Honig
  • Trockenobst
  • Obstsäfte
  • Steinobst

Achtung: Fructose-Malabsorption wird fälschlicherweise oft als Reizdarm diagnostiziert. Außerdem können die Symptome mit denen der Dünndarmfehlbesiedlung verwechselt werden. Letztere erfordert ebenfalls eine „Entziehungskur“, wobei hier aber vorrangig auf stärkehaltige Gemüsesorten verzichtet wird. Beide Ausnahmezustände können sich gegenseitig bewirken und gemeinsam auftreten. Zum Thema Dünndarmfehlbesiedlung und die entsprechende Ernährungstherapie gibt es bald einen gesonderten Eintrag!

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Links zum Thema:

Dr. med. Jürg Eichhorn hat eine sehr aufschlussreiche „Hitliste Fructose“ über Fructose-Malabsorption erstellt, die zahlreiche Nahrungsmittel mit ihrem Fructose-Gehalt auflistet
Sarah Ballantynes Artikel über die Anpassung der Ernährung bei Fructose-Malabsorption