Vorsicht: Fructose-Malabsorption!

Während der ersten paar Wochen meiner Ernährungsumstellung verzehrte ich viel getrocknete Kokosnuss, die ich zuvor nie gegessen hatte. Sie schmeckte mir und ich ass sie immer öfter als Zwischenmahlzeit. Irgendwann begann mir beim Verzehr der Hals zu kratzen, was ich jedoch tunlichst ignorierte, da ich meinen neu errungenen Wohlfühlsnack nicht mehr missen wollte. Mein Darm schien sich jedoch wieder zu entzünden, nachdem ich wochenlange keine Probleme festgestellt hatte (vielleicht war ich aber auch zu sehr mit den positiven Zeichen beschäftigt). In den Foren hatte ich schon öfter gelesen, dass Leute empfindlich auf Kokosnussprodukte reagieren. Bei Verdacht auf Fructose-Malabsorption – ein Zustand, bei dem Fructose und längere Zuckermoleküle, die dieselbe enthalten, nur unzulänglich verdaut werden – ist Kokos sogar für eine Zeit von der Liste der erlaubten Nahrungsmittel zu streichen.

Obendrein scheint meine Verdauung in irgendeiner Weise gestört, seit ich meine Ernährung umgestellt habe (fester Stuhl, der irgendwo im Darm feststeckt). Auch genügend Flüssigkeit hilft nicht. Als ich noch genug Körner bzw. Pseudogetreide ass, hatte ich keine Probleme dieser Art. Was nicht heißt, dass wir sie deswegen also doch essen sollten… Die Ursache muss woanders liegen.

Nach dem Ausschlussverfahren verordne ich mir seit dieser Woche ein fructosearmes Intermezzo von einem Monat. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit…

Was ist Fructose-Malabsorption?
Wie der Name schon sagt, wird bei der Fructose-Malabsorption die Fructose nur unzulänglich aufgenommen, und zwar von der Dünndarmwand. Der Zuckertransport funktioniert also nicht, wie er sollte, da der Körper das Transportprotein GLUT-5 (welches für die Aufnahme der Fructose über die Darmschleimhaut zuständig ist) nicht in ausreichender Menge produziert. Es handelt sich hierbei also nicht automatisch um eine Unverträglichkeit oder gar eine Allergie. Eine Fructose-Unverträglichkeit liegt nur dann vor, wenn der Transportdefekt angeboren bzw. vererbt ist.

Das Problem kann seinen Ursprung aber auch schon früher im Verdauungsprozess haben, nämlich dann, wenn dem Körper die Enzyme fehlen, um Mehrfachzucker (also Kohlenhydrate) in Einfachzucker (Monosaccharide) zu spalten.

Fructosehaltige Nahrungsmittel enthalten kurze Kohlenhydratketten, die schon bei gesunden Menschen deutlich schwerer verdaut werden. Gelangt Fructose unverdaut in den Dickdarm, nährt die Fructose dort Bakterien (eigentlich gutartig), die sich dann ständig vermehren und zur Gärung und somit zur Gasbildung führen. Wasser wird nun schlechter vom Dickdarm aufgenommen (das ist schlecht, da es sich hierbei um eine seiner Hauptaufgaben handelt).

Symptome einer Fructose-Malabsorption
Die Verstoffwechslung der Fructose zu Wasserstoff und Kohlendioxid kann folgende Beschwerden hervorrufen:

  • Blähungen/Gasbildung
  • Verstopfung
  • Völlegefühl
  • Verdauungsprobleme
  • Krämpfe und Schmerzen im Unterleib
  • Durchfall
  • Aufstoßen
  • Antriebslosigkeit

Fructose-Malabsorption kann durch die Messung des Wasserstoffs beim Ausatmen sicher diagnostiziert werden (Wasserstofftest). Will man der medikamentösen Behandlung aus dem Wege gehen, besteht die Möglichkeit, in Eigenregie die Aufnahme von Fructose über die Nahrung zu drosseln.

Vorrübergehendes Meiden von Fructose und Sorbit
Bei Verdacht auf Fructose-Malabsorption ist es angebracht, für eine kurze Zeit – etwa einen Monat – auf fructosehaltige Nahrungsmittel zu verzichten. Im Zuge der Autoimmun-Ernährung erhöht dies selbstverständlich den Verzicht noch weiter. Die gute Nachricht ist, dass Betroffene nach dieser Meidungsphase die weggelassenen Lebensmittel meist wieder uneingeschränkt zu sich nehmen können.

Da der Zuckeralkohol Sorbit das Transportprotein GLUT-5 und somit die Aufnahme von Fructose zusätzlich hemmt, sollte auch auf Sorbit verzichtet werden (besonders in Steinobstsorten enthalten). Im Gegenzug fördert Glucose (Traubenzucker) die Aufnahme von Fructose.

Fructosehaltige Obst- und Gemüsesorten
Meiden Sie vorwiegend und zusätzlich zu den ohnehin zu meidenden Lebensmitteln:

  • süßes Obst (Äpfel, Birnen, Melone, Trauben, Johannisbeeren, Erdbeeren)
  • Steinobst (Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen)
  • Trockenobst
  • Obstsäfte
  • Kokosnussprodukte
  • Honig (der fast ausschließlich aus Fructose besteht)
  • Lauch
  • Zwiebeln
  • Spargel
  • Erbsen
  • alle Kohlsorten außer Grünkohl (Broccoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Weißkohl, Rotkohl, Chinakohl, etc.)
  • Alkohol
  • alles, was Zucker enthält

Gut vertragen werden in der Regel:

  • Karotten
  • Pastinaken
  • Spinat
  • Frühlingszwiebeln
  • grüne Bohnen
  • Zucchini
  • grüner Salat
  • Gurke
  • Oliven (Vorsicht vor weiteren Zutaten!)
  • Ingwer
  • Kurkuma
  • Kokosöl
  • eher saures Obst wie Mandarinen, Zitronen, aber auch reife Bananen

Mit Vorsicht zu genießen (individuell verschieden, oft kommt es nur auf die Menge an):

  • Obst: Orangen, Krischen, Kiwis, Kakis, verschiedene Beerensorten, Ananas, Mango
  • Gemüse: Rhabarber, Schwarzwurzeln, Artischocken, Sellerie, Fenchel, rote Beete, Avocados, Knoblauch, Süßkartoffeln, Kürbis

Die Meinungen über solche Listen gehen auseinander, besonders, was die zu meidenden und mit Vorsicht zu genießenden Nahrungsmittel angeht. Halten Sie sich daher v.a. an die aufgelisteten erlaubten Nahrungsmittel und gehen Sie keine waghalsige Experimente ein, die Sie auf Ihrem Heilungsweg unnötig zurückversetzen könnten. Denken Sie immer daran, dass es sich um einen begrenzten Zeitraum handelt…

Essen Sie Gemüse lieber gegart als roh. Versuchen Sie, beim Verzehr der erlaubten Obstsorten auch ein wenig Traubenzucker mit aufzunehmen, um die Fructoseabsoption zu begünstigen. Trinken Sie außerdem viel Kraftbrühe, um die Darmsanierung zu unterstützen.

Nach etwa vier Wochen…
haben sich die Beschwerden hoffentlich gelegt und Sie können allmählich versuchen, wieder mehr Fructose zu sich zu nehmen. Machen Sie auf Dauer einen möglichst großen Bogen um Nahrungsmittel mit einem hohen Fructosegehalt wie

  • Honig
  • Trockenobst
  • Obstsäfte
  • Steinobst

Achtung: Fructose-Malabsorption wird fälschlicherweise oft als Reizdarm diagnostiziert. Außerdem können die Symptome mit denen der Dünndarmfehlbesiedlung verwechselt werden. Letztere erfordert ebenfalls eine „Entziehungskur“, wobei hier aber vorrangig auf stärkehaltige Gemüsesorten verzichtet wird. Beide Ausnahmezustände können sich gegenseitig bewirken und gemeinsam auftreten. Zum Thema Dünndarmfehlbesiedlung und die entsprechende Ernährungstherapie gibt es bald einen gesonderten Eintrag!

______________________________
Links zum Thema:

Dr. med. Jürg Eichhorn hat eine sehr aufschlussreiche „Hitliste Fructose“ über Fructose-Malabsorption erstellt, die zahlreiche Nahrungsmittel mit ihrem Fructose-Gehalt auflistet
Sarah Ballantynes Artikel über die Anpassung der Ernährung bei Fructose-Malabsorption

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6 Gedanken zu „Vorsicht: Fructose-Malabsorption!

  1. Doris Becker

    Hallo, ich bin auf Deinen Blog gestoßen, nachdem ich mich mit Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion in Verbindung mit Ernährung auseinandergesetzt habe. Ich möchte nun morgen mit AIP starten und habe zusätzlich noch Fructoseintoleranz. Was kann ich denn jetzt morgens essen? Ausser Hühnerbrühe 🙂 Danke und liebe Grüße Doris

    Antwort
    1. Maren @ Autoimmun-Paleo Autor

      Hallo Doris, ich habe tatsächlich sehr lange morgens nur Knochenbrühe gegessen, mit viiiiel Gemüse, Kurkuma, Ingwer und ein bisschen Fleisch oder Fisch drin. Das ist eigentlich sehr abwechslungsreich und sättigend. Du kannst es aber auch mal mit den Resten vom Abendessen probieren, bzw. Dir von der Vorbereitung dafür ein bisschen was aufheben (etwa geschnittenes Gemüse) und morgens mit Speck anbraten oder garen. Ich finde, ein paar Wochen kann man das aushalten, sieh es als eine Heilkur an. Bei mir haben sich die unmöglichen „Gasprobleme“ damit wunderbar gelegt. Versuche es vielleicht auch mal mit einem guten Probiotikum fûr den Darm.

      Antwort
  2. Doro

    Mir hat die Einnahme von Probiotika extrem geholfen, meine Fruktoseprobleme zu mildern und mich toleranter zu machen. Wenn ich etwas mit Honig oder Obst esse, nehme ich zeitgleich eine probiotische Pille ein, damit Bakterien sich im Darm direkt an den Zucker machen können. Ich kann aber sowieso nicht zu hoch glykämisch essen, weil ich zu starken Blutzuckerschwankungen neige und die Insulinausschüttung ja auch direkt entzündungsfördernd wirkt. Zu lange soll man auch nicht auf Fruktose verzichten, da der Körper sonst keinen Grund mehr sieht, die GLUT-Transporter auszubilden, deswegen am ehesten versuchen auszuloten, wo die aktuelle persönliche Grenze liegt.
    LG, Doro

    Antwort
    1. Maren @ Autoimmun-Paleo Autor

      Liebe Doro,

      Das ist sehr interessant, dass Du die Probiotika direkt zusammen mit dem Obst/Honig einnimmst. Ich nehme auch ein Probiotikum, allerdings vor dem Schlafengehen. Tagsüber kriege ich meine PBs aus fermentiertem Gemüse, was für Dich wegen des Histamins leider flachfällt. Sehr schade für Dich, ist m.E. eine tolle Ergänzung bei eingeschränkter Lebensweise.

      LG,
      Maren

      Antwort
  3. Anika

    Hallo. Ich habe leicht erhöhte Antikörper u Schulmedizin sagt, alles ok!
    Die Ernàhrung habe ich seit ca 9 Mon umgestellt. Vieles ist besser. Aber jetzt spinnt plötzlich mein Darm;-( Eher Verstopfung u Bauchweh u Blàhungen. Hab den Verdacht auf Fructoseintolleranz. Aber so plötzlich. Ich werde jetzt Obst mal weglassen aber ich möchte nicht noch dünner werden u Fette vertrage ich nicht so viel. Was könnte ich essen???
    LG Anika

    Antwort
    1. Maren Autor

      Liebe Anika,

      Leider kann ich keine Ferndiagnose (und auch sonst keine Diagnose) stellen und Du sagst auch nicht, wie Du Dich genau ernährst… Bei Verstopfung haben mir mehr Kohlenhydrate geholfen. Hast Du es schon mal mit Kochbananen in Kokosöl ausgebacken versucht? Bei einer tatsächlichen Fructoseintoleranz musst Du Fructose über einen längeren Zeitraum meiden und den Darm entsprechend sanieren.

      LG,
      Maren

      Antwort

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