ARTE-Doku über Allergien

Und weil es so schön war, kommt hier eine kleine Zusammenfassung, die ich mir anhand von Notizen, die ich bei einem zweiten Mal Anschauen machte, zusammengeschrieben habe. Der Beitrag ist mittlerweile auch auf Youtube gelandet, und man kann ihn auf ARTE 7+ bis zum 3.6.2014 ansehen.

Mein persönliches Fazit: Gut, dass die Wissenschaft so langsam drauf kommt, dass Allergien weitaus verbreiteter sind, als es den Anschein hat, und dass es gilt, zu handeln (und zu forschen). Auf die Ernährung wird vielfach eingegangen, auch Autoimmunkrankheiten werden mehrmals in einem Zug mit Allergien genannt. Allerdings lässt der Beitrag offen, wie denn nun eine „gesunde Ernährung“ auszusehen hat – es ist aber auch nicht sein Anspruch, dies zu klären. Wenn man sich die Beweggründe der AIP-Bewegung ansieht, zielen AIP bzw. Paleo genau darauf ab, die in Frage stehenden allergenen Stoffe und Produkte zu meiden.

Die Dokumentation ist äußerst sehenswert, hier also die – in meinen Augen – wichtigsten Punkte, versehen mit ein paar weiterführenden Links:

ARTE
Allergien – Ohne Pillen durch die Pollen
Dienstag, 27. Mai, 20:15
Von Patrizia Marani

„Wer sehnt ihn nicht herbei, den Frühling nach dem dunklen Winter? Doch für viele bringt er eher Unangenehmes mit sich: Allergiker können die Umwelt nicht unbeschwert genießen. Und sie werden immer mehr. Warum? Die italienische Journalistin und Filmemacherin Patrizia Marani, selbst allergiengeplagt, macht sich auf die Suche nach den vielfältigen Ursachen der Volkskrankheit.

Sie befragt international renommierte Wissenschaftler in Europa und den USA: Warum reagiert unser Immunsystem so heftig auf unschuldige Alltagssubstanzen wie Pollen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und Anstieg der Allergien? Welche Rolle spielt unsere Ernährung?

Im Verlauf ihrer Ermittlungen entdeckt sie, dass die meisten der industriell eingesetzten Chemikalien vor ihrer Freigabe nicht getestet werden und alltäglich eingesetzte Pestizide und Antibiotika die Abwehrkräfte des Menschen signifikant schwächen. Das Konzept der Minimaldosierung muss sogar von Grund auf infrage gestellt werden – vor allem bei neuen toxischen Substanzen, die sich als Hormone tarnen können.

Bei den Gesprächen, die Patrizia Marani mit den Wissenschaftlern führt, entsteht nach und nach das Porträt einer wahren Krankheit, die oft voreilig als absurd oder – bestenfalls – als rätselhaft abgetan wird, sich aber als sehr wertvoll für die Entwicklung der menschlichen Spezies erweisen könnte. Dann wären Allergiker die Kassandren der Moderne, die uns Tag für Tag daran erinnern, dass der Mensch und sein Wohlbefinden keineswegs im Mittelpunkt der Welt stehen, die wir errichtet haben.

Ein lösungsorientierter Roadmovie durch die Welt der Allergene, der zeigt, dass wir dieser Plage nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern mit manchmal sehr einfachen Mitteln die Entstehung von Allergien vermeiden und ihre Auswirkungen bekämpfen können.“

Zusammenfassung:

Explosionsartige Zunahme der Allergien in den letzten 50 Jahren, heute sind 1/3 aller Menschen Allergiker, bald werden 50% der Europäer an Allergien leiden. Kluft zwischen Mensch und Natur?

Außerhalb der westlichen Welt gab es früher keine Allergien. In der globalisierten Welt heute dagegen überall.

Hygienehypothese: Klassische Theorie, nach der ein Übermaß an Hygiene für den stetigen Anstieg der Allergien verantwortlich sind; keine Parasitosen = kein natürlicher Zustand; der Körper reagiert anders und es kommt zu einer Fehlleitung des Immunsystems; Organismus kann sich an die raschen Veränderungen in unserer Umwelt nicht anpassen.

Allergien kommen in der Natur vor, sie sind also nicht allein Produkt unserer Gesellschaft.

Claudia Traidl-Hoffmann, Institut für Umweltmedizin, TU München: Faktor Luftverschmutzung; direkter Einfluss der Umwelt, flüchtige organische Substanzen und solche, die einen direkten Einfluss auf das Immunsystem haben und es so empfänglicher machen für die Entwicklung von Allergien; Umweg über den Allergieträger auf den

Ozon erhöht die Allergenität der Pollen

Pollen als Allergieträger: Urbane „Monster“, Verbindung aus Luftverschmutzung und Pollen; durch die Klimaveränderung stärkerer und längerer Pollenflug

Genetik musste angesichts des massiven Anstiegs von Allergien in den Hintergrund rücken.

Kari Nadeau, Stanford University School of Medicine: Besonders Schwangere und Kinder sind gefährdet, da Umweltfaktoren und Pestizide einen großen Einfluss auf ihr Immunsystem haben. Magisches Dreieck: Asthma, Allergien und Autoimmunkrankheiten! Unser Immunsystem ist heutzutage oft auf der DNA-Ebene betroffen, es laufen Forschungen zu der Frage, inwieweit durch Umweltfaktoren hervorgerufene Allergien reversibel sind.

Elina Jerschow, Albert Einstein College of Medicine, New York: Faktor Nahrungsmittel; antibakterielle Pestizide, z.B. töten Dichlorphenole in Wasser, Luft und Nahrung Bakterien in unserem Körper. Verbindung zu Antibiotika, die unsere Darmflora angreifen: Antibakterielle Pestizide haben einen ähnlichen Effekt wie Antibiotika. Man sollte nicht zu viele Antibiotika oder Desinfektionsmittel verwenden.

Trichlosan: in Zahnpasten und Seifen; ruft Lebensmittelallergien hervor

Shanna H. Swan, Mount Sinai School of Medicine, New York: Wir sind Tausenden von schädlichen Substanzen ausgesetzt, die nie auf ihre Schädlichkeit getestet wurden, z.B. Diphtalate.

Carl-Gustaf Bornehag, Universität Karlstad: Faktor Chemikalien, z.B. Phtalate in Weich-PVC, Weichmacher in Baustoffen, Spielzeug, oder Phenole wie Bisphenol A in Hartplastik; in Kosmetika, Reinigungsprodukten, Verpackung und vielen anderen Produkten enthalten. Es sind sog. hormonaktive Stoffe, die über Alltagsprodukte in unseren Körper gelangen. Indem sie ihm vorgaukeln, natürliche Hormone zu sein, gelingt es ihnen, anstelle von echten Hormonen zu agieren und falsche Signale an die Organe zu senden. Die genauen Wirkungsmechanismen sind jedoch noch unbekannt.

Fiorella Belpoggi, Ramazzini Institut, Bologna: epigenetische Effekte (im Gegensatz zur Genmutation), Chemikalien haften sich an die DNA-Strukturen und verhindern eine korrekte Auswertung; Veränderung der Grundbausteine der Erbsubstanz einer Zelle

Die gefährlichsten Chemikalien:
DEHP, z.B. in Kunststoffschläuchen
Flammschutzmittel
Perfluorierte Chemikalien
Bisphenol A
Phtalate
Parabene
Triclosan

Recyclingcodes 3, 6 und 7, zu finden in Dreiecken auf dem Boden von Plastikgefäßen; Merkspruch: „4, 5, 1 und 2, bei den anderen ist Gift dabei“; aber auch diese weniger bedenklichen Sorten (z.B. in PET-Flaschen enthalten) weisen nachweislich Östrogenaktivität auf

Thomas Rau, Paracelsus Klinik, Lustmühle, Schweiz: die meisten Allergien gehen auf unentdeckte Nahrungsmittelallergien zurück; Schwermetallbelastung, reizt Schleimhäute und schwächen das Immunsystem; Darmflora wird heute schon im Kindesalter systematisch zerstört, durch Chlor im Wasser, Konservierungsmittel in der Nahrung, Antibiotika. Hinzu kommt durch Genmanipulation verminderte Spurenelementzufuhr, z.B. Zink, der Gegenspieler zum Histamin, welches Allergien erzeugt.

Silvano Cristiani, Diplomlandwirt, Parco della Chiusa, Bologna: Anbau alte Getreidesorten; modernes Getreide ist genauso durcheinander wie unser eigenes System; auf Schädlingsbekämpfung und Dünger (> Ertragssteigerung) reagiert es auf ungewohnte Weise und produziert Inhaltsstoffe zur Abwehr (wie übermäßig viel Eiweiß > Gluten), die wir Menschen nicht vertragen

Ruslan M. Medzhitov, Yale University: Allergien sind keine Krankheiten, sondern ein biologisches Abwehrsystem, das sich evolutionär entwickelt hat, um uns zu schützen. Gifte sind in der Natur weit verbreitet. So ist die Reaktion auf Schlangengift eine allergische Reaktion. Allergische Reaktionen (Nasenlaufen, Niesen, Ausschläge, etc.) befördern Schadstoffe nach draußen. Die Reaktion passiert, weil unser Körper uns dazu anhalten will, diese Schadstoffe zu meiden.

Und noch eine potenziell gute Nachricht: Allergiker erkranken seltener an Krebsarten, die durch Umweltbelastungen entstehen. So schützt der durch Allergien entstehende Schleim im Körper vor Eindringlingen anderer Art.

Elizabeth Salter Green, CHEM Trust: Schadstoffe im Haus, z.B. Flammschutzmittel, perfluorierte Chemikalien, haben Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und die Fortpflanzung. Sind überall enthalten: Schaumstoffe, Teppiche, Möbel, Kunststoffe, Kleidung, Lebensmittelverpackungen, Pfannenbeschichtung, Schraubdeckel, Kosmetika etc.

Die Dosis spielt nicht so sehr eine Rolle wie der Zeitpunkt, zu dem die Belastung auftritt.

Dominique Belpomme, Universität Paris Descartes: Appel de Paris (2004), hat die Aufmerksamkeit für Schadstoffbelastung enorm verstärkt; europäische Chemikalienverordnung REACH.

Watze de Wolf, Europäische Chemikalienagentur: Eigenmächtigkeit der Wirtschaft wird durch REACH gebremst, aber leider ist die Bewegung noch sehr am Anfang

Warum haben manche Menschen keine Allergien? Theorie: Allergiker als einige wenige Wächter der Umwelt, die die Mitmenschen vor Schadstoffen warnen

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