Archiv der Kategorie: Symptome

Bestandsaufnahme nach einem Jahr AIP (inklusive Provokationsphase)

Vor mehr als einem Jahr, am 1. Oktober 2013, startete ich meinen Selbstversuch auf diesen Pfaden. Was lässt sich im Rückblick berichten, wie weit bin ich gekommen und was bleibt noch zu wünschen?

Vielleicht sollte ich von hinten anfangen. Vor vier Wochen bekam ich meine letzten Schilddrüsenwerte zurück. Zum ersten Mal seit Jahren sind sie – man halte sich fest – alle im Normbereich. Mein Hausarzt, den ich für einen guten, aber Neuem wenig aufgeschlossenen Schulmediziner halte, hat mich hormontechnisch offenbar ganz gut eingestellt. Dass die Ernährungsumstellung mitgeholfen haben soll, wie ich mehrmals in den Raum warf, bestreitet er jedoch nach wie vor rigoros. Es interessiert ihn im Übrigen auch nicht, wie diese Ernährungsumstellung eigentlich aussieht…

AIP-Abendessen in einer kleinen Stadt im Osten Indiens

AIP-Abendessen in einer kleinen Stadt im Osten Indiens

Nach meiner vierwöchigen Indienreise im August gab es zugegebenermaßen einen kleinen Einknick, was meine Gesundheit anging. Nachdem ich mich in Indien einigermaßen Paleo durchgebissen hatte – mithilfe meiner Freunde dort, die meiner Ernährungsweise sehr offen gegenüberstanden, und dennoch mit der ein oder anderen Ausnahme, z.B. Reis –, ging es mir erst mal nicht so gut, als ich wieder zurück war. Ich bekam wieder viele Pickel im Gesicht, meine Periode blieb aus (was sehr ungewöhnlich ist), ich hatte eine Zeitlang regelmäßig Sodbrennen, bekam eine Blasenentzündung und schnitt zu allem Übel auch bei meiner HPV-Untersuchung eher schlecht ab. Meine Müdigkeit war unerträglich. Zunächst ignorierte ich meinen Zustand und wollte endlich wieder mehr essen, neue Paleo-Backwaren und -Desserts ausprobieren, und dies bitteschön alles bei gleichbleibender Gesundheit. Aber meinem Körper ging das offenbar zu schnell.

Neu-Delhi

Mittlerweile glaube ich, dass der Ausnahmemonat Indien zwar Auswirkungen auf meinen Körper hatte (so machte meinem Immunsystem auch eine beide Beine und Unterarme übersäende Bettwanzenattacke während meines Aufenthalts ungemein zu schaffen). Aber auch mehrere gehörige Stressfaktoren privat und zurück in der Arbeit haben ohne Zweifel dazu beigetragen, dass es erst einmal bergab ging, als der Urlaub vorbei war. Und so schraubte ich alles wieder zurück auf Basisernährung (Eliminationsphase), und so langsam fühle ich mich wieder wohl in meiner Haut. Hat immerhin zwei Monate gedauert, und ich werde nie genau wissen, woran es tatsächlich lag…

All dies passierte wie gesagt in den letzten 8 Wochen. Wie aber sieht die Beurteilung meines gesamten AIP-Jahres aus? Mein Körper hat sich in vielerlei Hinsicht sehr verändert. Er reagiert viel deutlicher und hartnäckiger als früher – klar, ich achte natürlich auch ganz anders auf Zeichen jeglicher Art.

Verbesserungen:

  • Hashimotosymptome: nach einem Jahr sind die Antikörperwerte im Normbereich. Sie gingen stetig nach unten, es gab keine Schwankungen nach oben.
  • Blähungen und alles, was dazu gehört: fast verschwunden, vor AIP ein permanentes, nicht in den Griff zu bekommendes und sehr unangenehmes Problem.
  • Die anfänglichen ernsthaften (!) Verstopfungsprobleme haben sich in Luft aufgelöst. Besonders die Einführung von stärkehaltigen, unbedenklichen Gemüsesorten (Kochbanane und Taro), das Herumexperimentieren mit resistenter Stärke sowie der Verzehr von selbstgemachten, fermentierten Nahrungsmitteln (Kombucha, wilde Fermente) haben hier wohl einen nicht unmaßgeblichen Teil beigetragen.
  • Zähne: Meine übersensiblen Zähne sind schmerzunempfindlicher geworden. Vor AIP konnte ich keinen Luftzug oder kaltes Wasser aushalten. Geholfen haben hier meines Erachtens der regelmäßige Verzehr von Leber, Eigelb und pulverisierten Eierschalen sowie der Verzicht auf herkömmliche Zahncreme. Inspiriert hat mich v.a. dieser Artikel.
  • Körperliche Anstrengung: Beim Sport bin ich leistungsfähiger und falle danach nicht gleich ins Bett vor Erschöpfung. Ich trainiere einmal die Woche in einem Selbstverteidigungskurs, gehe joggen, wenn ich mich besonders energiegeladen fühle (hey, das kommt tatsächlich wieder vor!), mache morgens ein 7-Minuten-Training zum Aufwachen und gehe während der Mittagspause fast täglich eine Stunde spazieren. Auch Letzteres war vor AIP eher anstrengend für mich, und manchmal habe ich auch heute zwischendurch Tage, an denen mir alle körperliche Anstrengung schwerer fällt.
  • Erkältungen: treten sehr viel seltener auf und halten nicht allzu lange an, die Anfälligkeit bleibt aber bestehen. V.a. Klimaanlage und Durchzug knocken mich nach wie vor mit ziemlicher Sicherheit aus. Auf Trab halte ich mich im Falle des Falles mit Angocin, das erste Erkältungsmittel, das bei mir wirklich hilft. Meiner Heilpraktikerin sei Dank!

Was sich nur wenig bis nicht wirklich verbessert hat:

  • Trotz Magnesiumsupplementierung habe ich regelmäßig nächtliche Wadenkrämpfe.
  • Pickel: Auch wenn sich mein Hautbild sehr beruhigt hat, bleibt mein Pickelproblem und meine unreine Gesichtshaut bestehen. Das Kuriose ist: Die Pickel sind nicht mehr das, was sie mal waren… sie treten an den unmöglichsten Stellen auf (z.B. hinter dem Ohr), sind hart statt eitrig und entzünden sich gerne.
  • Trockene oder entzündete Gesichtshaut: habe ich immer mal wieder, z.B. beim Verzehr von Nüssen. Es entstehen rauhe Stellen, eine rote Oberlippe oder andere Entzündungsstellen im Gesicht, wenn ich das Falsche esse. Ich versuche dann, mit Ölmasken und seifenfrei der Lage Herr zu werden. Die Wurzel des Übels befindet sich allerdings stets ganz eindeutig im Körper.
  • Obwohl sich meine lähmende Müdigkeit schon sehr gelegt hat, habe ich regelmäßig mit ihr zu kämpfen. Ich hatte über lange Strecken hinweg krasse Schlafprobleme, in denen ich nicht einschlafen konnte, nicht durchgeschlafen habe oder morgens nicht rauskam. Mehr Schlaf (will heißen: früher ins Bett!) hilft eindeutig und sollte (auch von mir) nicht unterschätzt werden.
  • HPV bleibt bisher bestehen.

Ich will nicht verschweigen, dass ich bisher nur äußerst wenige Nahrungsmittel wieder erfolgreich eingeführt habe, z.B. Eigelb, bestimmte Gewürze, Ghee, sowie die meisten FODMAPS (die ich aber sicherheitshalber auf einem Minimum halte). Die Quantität spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Ich bin nach ein paar schlechten Erfahrungen jedoch eher vorsichtig geworden.

Zudem nehme ich so ziemlich die gesamte Palette an Nahrungsmittelergänzungen ein:

  • Vitamine: A, B-Komplex, C, D, E, K2
  • Magnesium
  • Zink
  • Selen
  • Folsäure
  • Biotin
  • Kupfer
  • Omega 3
  • zwei hochwertige Allround-Nahrungsergänzungsmittel auf Empfehlung meiner Heilpraktikerin, im Rahmen der Zellsymbiosetherapie
  • ein immunstärkendes Präparat im Rahmen der Mikroimmuntherapie, ebenfalls auf Empfehlung meiner Heilpraktikerin

Meine Hauptbaustelle ist nun die HPV-Infektion. Viele in der Paleo-Community schwören auf AIP auch bei HPV. Ganzheitlich arbeitende Ärzte und Heilpraktiker empfehlen die Mikroimmuntherapie. Zumindest hörte die Entzündung nach der Ernährungsumstellung auf zu bluten und der Befund verbesserte sich für etwas mehr als 6 Monate deutlich. Ich arbeite permanent daran und versuche mein Bestes – therapeutisch, ernährungstechnisch und auch psychisch, denn es ist kein gutes Gefühl, einen Virus in sich zu tragen, den man gar nicht merkt. Die Schilddrüse hat bei einem Schub jedenfalls immer aufgeregt geflattert, so dass ich wusste, wann wieder etwas im Busch war. Zumindest das ist mittlerweile eindeutig unter Kontrolle!

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Unverträglichkeit gegen vormals tolerierte Nahrungsmittel

Mein Hautausschlag, wahrscheinlich Pityriasis rosea (Röschenflechte)

Es kann äußerst frustrierend sein, sich wochenlang strikt an bestimmte Ernährungsregeln zu halten, nur um danach festzustellen, dass man plötzlich auf alles Mögliche reagiert. So geht es auch mir: Nicht selten schraube ich zurück auf meine persönliche oberste Toleranzgrenze, weil ich irgendein Lebensmittel nicht mehr zu vertragen scheine. Oft lasse ich dann mehr als ein Lebensmittel wieder aus, weil ich nicht mehr feststellen kann, welches der zwei oder drei Nahrungsmittel – oder womöglich eine Kombi? – meinen Körper reagieren lässt. Man kann nicht oft genug wiederholen, dass man beim Austesten neuer Nahrungsmittel so langsam wie nur möglich vorgehen sollte.

Schon länger merke ich, dass einerseits mein Immunsystem deutlich schneller mit Erkältungsanflügen fertig wird – vor der Umstellung war ich etwa alle 3-6 Wochen krank –, andererseits bin ich sehr viel sensibler geworden, was Nahrungsmittel angeht. So hätte ich nie gedacht, dass ich Reis – eine scheinbar völlig neutrale Beilage – nicht oder nur in Maßen vertragen würde. Seit ein paar Wochen habe ich jedenfalls einen Hautausschlag, der ziemlich plötzlich begann, und zwar mit einem etwa fingerkuppengroßen, rauen, jedoch schmerzfreien Fleck am Nacken. Nach und nach bildeten sich kleinere, ähnlich aussehende Flecken auf meinem Oberkörper. Momentan sind es 6 Stellen. Nach eigener Recherche und Nachfrage im Forum meines Vertrauens gehe ich davon aus, dass es sich um Pityriasis rosea, eine Pilzerkrankung, handelt. Seit einigen Tagen behandle ich die Stellen mit Teebaumöl, bisher ohne sichtbaren Erfolg.

Aber auch für diese starken, fast schon allergischen Reaktionen auf vormals offenbar Vertragenes gibt es eine Erklärung, die in unserem Körper liegt. Hier die Kurzversion von Sarah Ballantynes Kapitel über dieses Phänomen:

Zwei verschiedene Zelltypen kommen hierbei ins Spiel: Der erste Typ reagiert auf Fremdkörper (jeweils unterschiedliche Zellen für verschiedene Arten von Fremdkörpern) und schlagen Alarm (z.B. gegen Proteine aus Nahrungsmitteln > Gluten!). Ein anderer Zelltyp ist dafür zuständig, diese Reaktion im Zaum zu halten, damit sie nicht außer Kontrolle gerät. Beide Typen sollten aufgrund der Ernährungsumstellung überflüssig werden und verschwinden, allerdings stirbt Typ II schneller ab als Typ I, weshalb der Körper zunächst empfindlich auf nicht tolerierte Nahrungsmittel reagiert, nachdem man einige Zeit darauf verzichtet hat. Die Reaktion wird also nicht mehr oder nur unzulänglich gebannt.

All dies bedeutet nicht, dass man irgendetwas falsch macht oder dass die Eliminationsernährung nicht wirkt. Es bedeutet erst recht nicht, dass uns die Ernährungsumstellung noch kranker und noch sensibler macht, als wir es ohnehin schon sind. In Wirklichkeit haben wir dieses spezielle Nahrungsmittel nämlich nie vertragen!

Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Letztendlich wird auch Typ I der oben genannten Zellen verschwinden, so dass das jeweilige Nahrungsmittel keine Reaktion mehr hervorruft. Je nährstoffreicher unsere Ernährung, je stärker unser Immunsystem und unser Darm, desto sicherer gelingt es unserem Körper irgendwann, das problematische Nahrungsmittel wieder zu tolerieren. Bei Allergien verhält sich dies ein wenig anders, da sich unser Körper an Allergien sehr viel länger „erinnert“ als an Unverträglichkeiten. Wie immer ist die Zeit, die unser Körper dafür braucht, individuell verschieden.
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Links zum Thema:
Sarah Ballantyne: The Paleo Approach, S. 336-337.

5 Monate Autoimmun-Paleo!

Die Zeit verging wie im Flug, besonders seit ich unbewusst aufgehört habe zu zählen… und nun sind es schon 5 Monate! Fakt ist, dass mir die Ernährungsumstellung buchstäblich „in Fleisch und Blut übergegangen“ ist.

Und es geht mir super, nachdem ich mich nun auch an die Anpassung meiner Schilddrüsenhormone gewöhnt habe! Die Antikörper sind so niedrig wie noch nie und liegen nur knapp über dem Funktionswert (der Normwert – wird neben den Blutwerten angegeben – ist bereits erreicht). Außerdem war ich den ganzen Winter noch nicht krank… vor AIP war ich alle 4-6 Wochen zumindest erkältet. Mein Immunsystem scheint demnach sehr viel stabiler. Den letzten Boost will ich ihm jedoch noch geben: mit einer Probiotikum-Kur, wahrscheinlich Symbioflor. Dies jedoch erst nach Rücksprache mit meiner neuen Heilpraktikerin.

Am glücklichsten bin ich – neben dem merklichen Abklingen meiner Hashimoto-Symptome – über meine Gesichtshaut. Ich habe keine nennenswerten Pickel mehr (früher ein permanentes Problem, das ich einfach nicht in den Griff bekam), und wenn, kann ich sie meist einem bestimmten Nahrungsmittel zuordnen, das ich ausprobiert habe. So z.B. Reis: Weißer Basmati-Reis verursacht meinen Beobachtungen zufolge Pickel. Ich werde noch eine andere Sorte ausprobieren, weil ich sie noch in meiner Vorratskammer habe, doch ich habe wenig Hoffnung, dass der Reis und ich doch noch Freunde werden können.

Apropos Reis: Der wohl hilfreichste Schritt in den letzten Wochen war der Hinweis, AIP und Perfect Health Diet zu kombinieren. Das bedeutet konkret die bewusste Eingliederung von (gesunden) Kohlenhydraten. Dazu gehört auch weißer Reis, der für mich jedoch wie gesagt nicht in Frage kommt, 1. aufgrund der Pickel und 2. weil ich mich mit Reis schlagartig ziemlich schwer fühle. Das ist bei stärkehaltigen Gemüsesorten wie Taro, Yucca oder Kochbanane nicht so. Seit ich mehr Kohlenhydrate esse, bin ich satter, und das schneller und für längere Zeit. Außerdem bilde ich mir ein, mehr Energie und Kraft zu haben als vorher. Auch mein Stuhlgang ist endlich wieder normal. Des weiteren halte ich mich an Dr. Kharrazians Credo: „Wenn sie nach einer Mahlzeit müde sind oder Verlangen nach Zucker haben, haben sie schlicht mehr Kohlenhydrate zu sich genommen, als ihr System überhaupt verarbeiten kann.”

Auch sonst habe ich festgestellt, dass mein Körper mit weniger meist besser zurechtkommt. So kann ich Schokolade durchaus essen, wenn ich es nicht jeden Tag tue und mich mit einer geringen Menge zufrieden gebe. Damit lässt es sich wunderbar leben.

Mittlerweile esse ich wieder ohne Probleme Eigelb (bevorzugt roh und in meiner morgendlichen Brühe) und Ziegenmilchprodukte. Zur „Feier“ des Tages habe ich mir gestern die erste Leber gekauft, von der ich zumindest einen Teil kleinschneiden und als „Pillen“ einfrieren werde.

Auch wenn es mir sehr viel besser geht als früher, ist noch lange nicht alles perfekt. Das wird es wohl auch nie werden, denn eine Autoimmunkrankheit ist nicht heilbar. Man kann lediglich die Symptome lindern. So brauche ich momentan ungewöhnlich viel Schlaf (etwa 10 Stunden), was mich angesichts der vielen Dinge, die ich neben meinem Job gerne machen würde, ziemlich nervt. Weiterhin bin ich bei starker körperlicher Anstrengung schnell erschöpft – aber auch das ist schon sehr viel besser geworden. Mit dem schöneren Wetter werde ich bald wieder anfangen zu joggen. Meine Beine werden mit jedem Spaziergang im Freien ungeduldiger und wollen rennen.

Als nächstes muss ich meine Papilloma-Infektion angehen. Wenn diese Entzündung eingedämmt ist – was ich u.a. auch durch die entzündungshemmende Ernährungsweise AIP zu erreichen gedenke –, sollte auch mein Körper wieder mehr in Schwung kommen.

Ich kann nur jeden Hashimoto- und anderen Autoimmunpatienten dazu ermutigen, es mit einer Ernährungsumstellung zu versuchen. Die Wahrscheinlichkeit, zumindest einige der Symptome in Griff zu bekommen, ist durchaus hoch. Es ging mir schon sehr lange nicht mehr so gut!

Nachtrag zu meinem Arztbesuch

Mein Hausarzt hatte mir bei der Besprechung meiner letzten Blutwerte zugesagt, meine Liste mit weiteren Untersuchungen gerne mit mir durchzugehen, und zwar zu einem gesonderten Termin. Der war gestern. Wacker und hoffnungsvoll baute ich mich mit meinen sorgfältig vorbereiteten Notizzetteln und Übersichten vor ihm auf, legte aber eher vorsichtig los, um den armen Mann nicht völlig zu überwältigen.

Mir wurde schnell klar, dass mir kein Verbündeter gegenübersaß. Als ich ihm Dr. Kharrazians Buch zeigte, wiegte er lediglich den Kopf hin und her und schaute leicht skeptisch drein (wobei ich nicht glaube, dass er das Buch wirklich kannte). Ich legte ihm meine Liste vor und er erwiderte ausweichend, dass er sich das „wohl kaum alles durchlesen werde“. Eine Kontrolle der Nebennieren sei sicher nicht Teil des Hashimoto-Spektrums, geschweige denn eine Messung des Blutzuckerspiegels. Beide Tests hatte ich angekreuzt, da ich sie für besonders wichtig erachte bzw. weil ich meine, entsprechende Symptome an mir festzustellen. Nur deshalb ging er wohl überhaupt darauf ein.

Auf diese etwa einminütige Klärung meiner Bedürfnisse angelte sich der Arzt meinen Impfpass – den ich wegen meiner Indienreise im Sommer dabei hatte – und bald waren wir (durchaus berechtigt) bei meiner potentiellen Allergie gegen Impfstoffe auf Hühnereiweißbasis angelangt. Die mögliche Lebensgefahr bei der erneuten Verabreichung des Impfstoffs (gegen Hepatitis A+B sowie gegen Tollwut) aufgrund einer schon einmal aufgetretenen starken allergischen Reaktion waren meinem Arzt ein Großteil unserer gemeinsamen Zeit wert. Fazit: Die Allergie müssen wir nun zunächst ausschließen, um entscheiden zu können, ob ich geimpft werden kann oder nicht. Ok.

Trotzdem hatte ich noch ein paar Fragen bezüglich meiner Hashimoto Thyreoiditis. Noch einmal setzte ich also an. Meine TPO-Antikörper hatten sich innerhalb von 8 Monaten halbiert (von 92 auf 57), das fand ich als Laie wirklich sensationell. Doch die Antikörperwerte seien sowieso schon niedrig, erklärte mir mein Arzt, weshalb dies kaum ins Gewicht falle. Die TSH-Werte dagegen seien so niedrig, da meine Hormondosis zu hoch sei (sie wurde aufgrund dieser Werte gesenkt und wird in 3 Monaten wieder kontrolliert). Und überhaupt haben wir es in meinem Fall mit einer sog. inaktiven Hashimoto Thyreoiditis zu tun. Da horchte ich in der Tat auf. Und diese Info bekomme ich erst jetzt? Und was heißt inaktiv? Dass die Zerstörung der Schilddrüse momentan ausgesetzt ist. Glaube ich. Jedenfalls ist das nicht gleichbedeutend mit Heilung, die bei Autoimmunkrankheiten nie eintreten wird. (Eine weitere Recherche zu „inaktive Hashimoto Thyreoiditis“ ergibt keine vernünftigen Ergebnisse.) Schon im Aufstehen begriffen, antwortete mir der Arzt noch auf meine letzte Frage, ob er Morbus Basedow bei mir ausschließen könne: „Zwei völlig verschiedene Paar Schuhe!“ Ich sei in jedem Fall eindeutig „hyper“ seit der Medikamentenumstellung, beteuerte ich. Ende April darf ich wiederkommen, zur erneuten Blutabnahme.

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Ich war doch sehr enttäuscht. Klar bin ich Laie. Klar verstehe ich nichts von Medizin. Aber wieso dann weiterhin all die Symptome? Bilde ich sie mir nur ein? Warum geht es mir mit AIP deutlich besser? Und warum zählt das alles nicht? Ich fühlte mich abgefertigt statt beraten.

„Inaktive“ Hashimoto… in Verbindung mit den deutlich niedrigeren Antikörperwerten geht es mir damit sicherlich besser als den meisten Anderen, deren Werte in den Tausender-Bereichen liegen. Doch wieviel kann der Arzt wirklich an einem Bluttest ablesen? Wenn nicht mein Arzt, wer unterstützt mich weiter bei der „Grundlagen- und Ursachenforschung“? Ich habe einfach noch zu viele Fragen…

Einen Poker habe ich ja noch: Ich bin bereits in Kontakt mit einer Heilpraktikerin. Allerdings hatte ich gehofft, zumindest einen Teil der Untersuchungen durch die Schulmedizin – d.h. durch meine gesetzliche Krankenkasse – abzudecken. Fehlanzeige! Auf ein Neues!

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Links zum Thema:
Fünf Dinge, die Schilddrüsenpatienten dem Arzt gegenüber lieber nicht erwähnen sollten“ auf About.com

T3, T4, Reverse-T3, TSH, TPO… Individuelle Schilddrüsenmarker

So viele T’s! Sicher (und hoffentlich!) haben Sie sie alle schon einmal unter Ihren Blutwerten gesehen und waren froh, wenn sie im Normalbereich lagen… Es handelt sich um die sog. „Schilddrüsenmarker“, anhand derer Sie Ihr Schilddrüsenmuster bestimmen können. Den Zusammenhang zwischen all diesen T’s zu verstehen, wird Sie also ein gutes Stück weiter in Richtung Ihrer individuellen Situation sowie u.U. des für Sie geeigneten Medikaments bringen. Ein fähiger Arzt bestimmt mit ihrer Hilfe die optimale Einstellung Ihrer Medikamente, die in vielen Fällen idealerweise aus einer Kombination aus T3 und T4 bestehen sollten (bei Hashimoto).

Wichtig ist, dass Sie Ihre Werte mit den Funktionsbereichen abgleichen, nicht den Referenzwertbereichen, die mit Ihren Laborwerten angegeben werden. Letztere sind für Hashimoto-Patienten zu ungenau. Laut Dr. Kharrazian sind Referenzwerte pathologische Werte, die „in der Regel einfach nur die Durchschnittswerte aller Menschen sind, die bereits eine solche Blutuntersuchung haben machen lassen. […] Wir können davon ausgehen, dass zahlreiche dieser Menschen an nicht diagnostizierten Schilddrüsenkrankheiten leiden und ihre Blutwerte ebenfalls ‚mit in den großen Topf geworfen‘ werden, aus dem heraus die ‚Normwerte‘ definiert werden.“ Die Funktionswerte dagegen „veranschlagen das Risiko einer Krankheit, bevor sie sich entwickelt.“

Die folgende Aufstellung soll Ihnen helfen, Ihre Schilddrüsenwerte eigenständig zu interpretieren. Fragen Sie auch Ihren Arzt nach seiner Einschätzung!

TSH
Das schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH, Thyreotropin) ist der wichtigste Faktor bei der Funktionsbestimmung der Schilddrüse. Es wird von der Hypophyse freigesetzt und steigt an, wenn T4 sinkt und umgekehrt. Die Untersuchung dieses Wertes ist keineswegs ausreichend für die Bestimmung einer Schilddrüsenstörung. Oft wird allerdings nur TSH gemessen. Ist TSH erhöht, weist dies auf eine Unterfunktion hin, und umgekehrt.
Funktionsbereich: 1,8-3,0 mlU/l

Gesamt-Thyroxin (gT4)
Dieses beinhaltet die Werte von gebundenem und freiem T4. Der Gesamt-T4-Wert kann durch viele Medikamente verfälscht werden. Die Bestimmung macht nur im Zusammenhang mit anderen Werten – z.B. die T3-Aufnahme – Sinn. Bestimmt man T4 zusammen mit der T3-Aufnahme, kann man die Aktivität von freiem T4 berechnen.
Funktionsbereich: 6-12 µg/dl

Freier Thyroxin-Index (fTI)
Wird durch das Multiplizieren der gT4-Werte mit der T3-Aufnahme ermittelt.
Funktionsbereich: 1,2-4,9 mg/dl

Freies Thyroxin (fT4)
Der Test auf freies Thyroxin (fT4) dient zur Bestimmung der Menge an freiem – stoffwechselaktivem – T4 im Blut. Freies T4 ist bei einer Überfunktion erhöht und bei einer Unterfunktion verringert. Ist der TSH-Wert bei normalem T4 erhöht, weist dies auf eine Unterfunktion hin.
Funktionsbereich: 1,0-1,5 ng/dl

T3-Resin-Aufnahme
Bestimmt die Anzahl der Bindungsstellen, an die sich aktives – ungebundenes – T3 an Proteine binden kann. Je mehr Bindungsstellen, desto niedriger die Aufnahme und desto höher der T4-Wert.
Funktionsbereich: 28-38 mg/dl

Freies Trijodthyronin (fT3)
Bestimmung des freien Hormons T3 dirch aktive Schilddrüsenhormone. Wird im Falle von Überfunktionssymptomen bei normalen FT4-Werten durchgeführt.
Funktionsbereich: 3,0-4,5 pg/ml

Reverses T3 (rT3)
rT3 wird in Fällen von extremem Stress gebildet. Ist T3 erhöht, liegt das oft daran, dass rT3 nicht ausgeschieden werden kann oder ein erhöhter Cortisolspiegel vorliegt.
Funktionsbereich: 90-350 pg/ml

TPO-Antikörper (= MAK)
Antikörper gegen Thyreoidea-Peroxidase, das Enzym, welches für die Bildung der Schilddrüsenhormone verantwortlich ist.
Funktionsbereich: < 35 Iu/ml

Tg-Antikörper
Richten sich gegen Thyreoglobulin.
Normalwert: < 100 U/ml

TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper)
Blockieren die TSH-Rezeptoren, weisen auf Morbus Basedow hin.
Normalwert: < 9 U/ml (TRAKhuman < 1 Ul/ml)


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Links zum Thema:
Datis Kharrazian: Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln; Kirchzarten 2013; Kap. 4
„Erklärung der Schilddrüsenlaborwerte“ auf schilddruesenguide.de