Was ist Autoimmun-Paleo? Eine Einführung

Hat Ihnen Ihr Arzt jemals mitgeteilt, dass Hashimoto-Patienten ihre Ernährungsweise grundlegend ändern sollten? Oder kennen Sie auch lediglich die Empfehlung, auf jodhaltige Nahrungsmittel zu verzichten? Wenn überhaupt?

Wenn ich gewusst hätte, welch maßgeblichen Einfluss ich allein durch meine Ernährung auf mein eigenes Wohlbefinden ausüben kann, wäre mir so Einiges in den letzten Jahren erspart geblieben. Ich hätte sehr viel mehr Lebenszeit im Wachzustand gewonnen, hätte wahrscheinlich mehr an Informationen aufgenommen als geschehen, wäre energiereicher durch die vielen endlosen Tage gegangen und vielen Menschen mit einer besseren Laune begegnet.

Tant pis, wie der Franzose sagt. Was soll’s… Man kann die Zeit nun mal nicht zurückdrehen. Umso wichtiger ist es mir, so schnell wie möglich eine neue Ernährungsroutine zu etablieren und dadurch meine Symptome so weit ich kann einzudämmen.

Zunächst können Sie als Hashimoto-Patient davon ausgehen, dass Sie verschiedene Probleme mit sich herumtragen, die auf den ersten Blick  nicht ersichtlich sind. Und selbst wenn Sie diese Probleme bei sich feststellen oder diagnostiziert bekommen, werden Sie und Ihr Arzt nicht automatisch eine Verbindung zu Hashimoto herstellen. Zu diesen Problemen gehören:

  • eine durchlässige Darmwand
  • Verdauungsprobleme
  • Verstopfung
  • Blähungen
  • Fructosemalabsorption und Dünndarmfehlbesiedlung
  • Nebennierenstörungen
  • abnormale Blutzuckerschwankungen
  • unreine Haut
  • Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Gelenkschmerzen
  • häufige Abgeschlagenheit und depressive Phasen
  • Vergesslichkeit
  • Schwindel
  • Panik- und Angstzustände
  • Candida, Pilz- und Bakterienbefall
  • u.v.m.

Die Autoimmun-Paleo-Ernährungsweise geht davon aus, dass schon die Entstehung einer Autoimmunkrankheit mitunter auf eine durchlässige Darmwand zurückzuführen ist, was im Nachhinein zahlreiche Symptome zur Folge hat. Daher ist sie in erster Linie darauf ausgerichtet, den Darm zu sanieren, indem sie in einer ersten Phase – der Eliminationsphase – so viele allergene Lebensmittel wie nur möglich auslässt. Dazu gehören v.a. Gluten, Milch- und Sojaprodukte, Hülsenfrüchte, Zucker und Nachtschattengewächse. (Inwieweit ein Zusammenhang zwischen Darm und Autoimmunkrankheiten besteht, lesen Sie hier.) Ein typischer Autoimmun-Paleo-Tagesplan enthält 3 Portionen tierisches Eiweiß, jeweils mit viel Gemüse (vornehmlich grünes Blattgemüse) und wenig Kohlenhydraten (vornehmlich stärkehaltiges Gemüse), sowie – über den Tag verteilt – Kraftbrühe, Probiotika, fermentiertes Gemüse und anfangs auch ein individuell abgestimmtes Nahrungsergänzungsmittelprogramm.

In einer Aufbauphase – der Provokationsphase – werden die gemiedenen Nahrungsmittel in einer festgelegten Reihenfolge einzeln wieder zugeführt (mit Ausnahme von Gluten und Hülsenfrüchten), um festzustellen, wie der Körper darauf reagiert. Kehren Symptome zurück, kann das Nahrungsmittel nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt – wenn der Darm wieder stark genug ist, um nicht zu reagieren – wieder eingeführt werden.

Für die meisten Kandidaten ist diese Ernährungsumstellung eine einschneidende Erfahrung, die zunächst einmal mit viel Verzicht einhergeht. Gleich alle drei Hauptnahrungsquellen der modernen Ernährung, nämlich glutenhaltige Speisen, Milchprodukte und Soja von der Liste zu streichen, stellt besonders für Vegetarier und Veganer eine Herausforderung dar. Doch wie so vieles ist auch diese Umstellung eine Frage der Gewohnheit und der Willensstärke. Zudem wird sie mit dem Wissen, das Sie sich anlesen werden, und den positiven Auswirkungen, die Sie an sich selbst spüren werden, von Tag zu Tag leichter.

Passen Sie die Ernährungsumstellung Ihrem persönlichen Rhythmus an. Wenn Sie die Veränderungen überwältigen, beginnen Sie mit einer Mahlzeit pro Tag, die Sie umstellen. Ersetzen Sie beispielsweise Ihr kohlenhydrat- oder obstlastiges Frühstück mit einer nahrhaften, kräftigenden Brühe, oder verzichten Sie zunächst auf Mehl- und Sojaprodukte – die weitaus gefährlichsten Allergene in unserer Nahrung überhaupt. Sie werden sehen, dass Sie allmählich neugieriger werden, wenn Sie mehr auf Ihren Körper und auf die Zeichen, die er Ihnen gibt, achten.

Eine ausführliche Liste der empfohlenen und zu meidenden Nahrungsmittel finden Sie hier.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Verlinkungen u.U. erst nach und nach eingefügt werden.

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2 Gedanken zu „Was ist Autoimmun-Paleo? Eine Einführung

  1. Lisocla Berlin

    Eine tolle Seite 🙂
    Ich habe „Hashimoto“ diagnostiziert 2013; Alopecia areata universalis (!!!), ansonsten alles o.k. Na, ja, solange ich danach leben. – Ernährungsumstellung (konsequent glutenfrei etc, etc… die ganze Palette, das fiel mir nicht schwer, im Gegenteil, ich fühlte mich schon schnell besser, dann supergut :-)… wenn bloß nicht innerhalb von 2014 alle Haare ausgegangen wären, weniger supergut).
    Hausärzte, Internisten, „Schulmediziner“ – VERGISS SIE. Als ich September 2013 total fertig zweimal beim Internisten war, las ich zufällig auf seinem Bildschirm „klimaterische Krise“. Er riet mir, doch mal wegzufahren, mein Kind irgendwo zu parken, mich auszuruhen und AUSDAUERSPORT zu machen!!!! Mein Kreislauf war im Keller, ich zitterte die ganze Zeit, ich hatte Schweißausbrüche, Tränenausbrüche, konnte nicht mehr schlafen, kriegte keine Luft… nahm viele Kilos auf einmal ab, konnte nicht mehr essen – und spürte doch selbst ganz genau „irgendwas stimmt nicht mit mir, so etwas habe ich noch nie erlebt“. Es tut mir im Nachhinein noch weh, das „man“ bzw. Arzt mich nicht ernst genommen hat bzw. nicht nachgeforscht hat. Wie ich heute weiß (z. B. im Zusammenhang mit erschöpfter Nebeniere, EBV, Zoster, reaktiviert usw., auch HPU), wäre „AUSDAUER“-Sport Mord.
    Erst eine Heilpraktikerin kam der Sache auf die Spur, sie veranlasste eine MAK und TRAK-Analyse, die er Internist natürlich nicht machen wollte, das sei ja Quatsch, meine Werte lägen im „Referenzbereich“ (was der bedeutet, weiß ich erst heute).
    Heute habe ich gut Reden und behaupte mich gegenüber ignoranten Ärzten bzw. ich habe das Glück, bei einer Internistin in Behandlung zu sein, die „ganzheitlich“ behandelt – leider teuer, auch die ganzen NEMs, aber vielleicht kann ich irgendwann wieder welche absetzen bis auf die essentiellen, phasenweise nehme ich auch weniger (man lernt tatsächlich sehr gut, auf seinen Körper zu hören und die Signale zu deuten!). Die Untersuchungsintervalle sind ja bereits sehr viel länger geworden.
    Tja…. wenn nur… meine Haare wiederkämen!!!!!!!!!!!!!!!!
    Falls Sie/falls Du Tips hast…
    Was frau noch unternehmen könnte….
    Das Buch von Datis K ist hervorragend, ein Schatz!!!
    Gut finde ich auch Kuklinski (Mitochondrientherapie) und Susan Blum (Autoimmunerkrankungen)
    Eine Frage habe ich noch zum Brain-Book von Datis K. : Ich habe es mir gestern bestellt, fürchte aber, es ist nicht leicht zu lesen… noch mehr Stoff, noch mehr zu verarbeiten ;-)… Aber es leuchtet mir ein.
    Ich habe vieles versucht – wegen der Haare. Leider fürchte ich, die Alopecia ist tatsächlich eine Folge der „verschleppten“ Hashimoto (meine Ärztin vermutet, ich habe das erstmals bei der Geburt meiner Tochter bekommen), ich fühlte mich seitdem auch nie mehr richtig wohl. Habe aber, wie wohl fast alle, die Symptome nicht deuten können.
    Viele Grüße
    Lisocla aus Berlin

    Antwort
    1. Maren Autor

      Liebe Lisocla,

      Vielen Dank für Dein Feedback und das Teilen Deiner eigenen Geschichte! Nach über zwei Jahren mit dieser Ernährungsweise habe ich nach wie vor das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

      Ich wohne jetzt auch in Berlin und bin natürlich auf der Suche nach einem guten Hausarzt. Würdest Du mir mal den Namen Deiner Internistin nennen? Das wäre fabelhaft!

      Danke auch für Deine Buchtipps, denen ich mich mal bei Gelegenheit zuwenden werde. Was das Gehirnbuch von Kharrazian angeht: Es ist extrem komplex, aber je mehr man liest, desto mehr versteht man natürlich auch die Zusammenhänge. Ich kann Dir nur empfehlen, dran zu bleiben und es sukzessive und mit Plan durchzuarbeiten, Stück für Stück und nach Deinem eigenen Rhythmus und Verständnis. Es gibt darin mehrere Hinweise zur Ernährung, denen man sich ja zunächst einmal widmen kann. Kharrazian schreibt übrigens gerade an einem Buch nur über Ernährung bei Hashimoto.

      Viele Grüße,
      Maren

      Antwort

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